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Daß sich trotz aller Versuche, Spiele zur Disziplinierung einzusetzen, destruktive Elemente immer wieder durchsetzen, greift der folgende Teil auf. Beim Boule-Spiel sind daher nicht die Regeln das wichtigste, sondern die Frage, warum man sich beim Spiel streiten kann. Spielwelt und "Ernst" Welt haben eine eigene Logik. Im Spiel lassen sich Talente finden, die im Alltag verloren bleiben. Und: Im Spiel lassen sich Träume verwirklichen. In einer Gesellschaft, in der Massenmedien so unbekannt sind, wie industrielle Arbeitszeiten, findet sich mehr Raum für Spiele als unsere heutige. Mit dem Blick auf Stiche und Gemälde kann daher weiter gezeigt werden, daß Feiern, Geschichtenerzählen und Spielen im Mittelalter zum Alltag gehörte. Alle spielten dieselben Spiele. Allerdings hatten auch hier schon Spielverbote Tradition, was sich bis ins Preußen des 19. Jahrhunderts fortsetzt. Das Einengen von Spielraum war nur konsequent für eine Gesellschaft, in der Wildheit, Lebensfreude und Spaß versagt wurden. Auch der Kampf gegen die Vielfalt industriell gefertigten Spielzeugs wurde in den Dienst der Disziplin gestellt. Daß er verloren ging, belegen die Bilder von modernen Playmobilfiguren und Barbiepuppen. Mit dem Abschluß des Films wird wieder an der Nähe von religiösem Feiern und freiem Spiel angeknüpft. Das Ballspiel der Azteken, das heilige Spiel zu Ehren griechischer Götter oder christliche Passionsspiele gelten als Beispiele dafür, wie Menschen versuchen, innerhalb unsichtbarer Grenzen mythische Kräfte zu erleben. Heute begeben sich Fantasyspieler auf die gleiche Reise. Sie suchen Identifikation mit einem anderen Wesen. Fliehen sie aus der Wirklichkeit?
© Text: Wolfgang Antritter
