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Inhalt der Sendung

Thema der zweiten Sendung über die Kultur des Essens ist die "kulturelle Inszenierung" der Nahrungsaufnahme in Vergangenheit und Gegenwart. Seit Anbeginn der Nahrungszubereitung ist Essen ein gesellschaftliches Ereignis, das Menschen zusammenführt, ihnen aber auch bestimmmte Regeln vorgibt. Nur wer sie befolgt, wird als Tischgenosse geduldet. Daraus ergibt sich auch die Bedeutung des Mahls als rituelle Handlung. Oft über den Tod hinaus wurde und wird die Tischgemeinschaft symbolisch verbunden: Jesus und seine Jünger (Abendmahl), chinesische Ahnen und ihre Nachkommen (Speiseopfer), mittelalterliche Zunftmitglieder, moderne Geschäftspartner und verliebte Paare teilen sich die Speise. Aber wo geeint wird, wird auch ausgegrenzt. Eßkultur und Tischsitten spiegeln gesellschaftliche Strukturen und Machtverhältnisse, wenn nicht jeder zum gleichen Mahl zugelassen wird: Mägde, Dienstboten, Kellner, Frauen und Kinder sehen oft nur zu, wie die "Herrschaften" speisen. So entwickeln sich auch je nach Tradition und Wohlstand in verschiedenen Kulturen und Zeiten am Tisch unterschiedliche Identitäten: was ist typisch europäische, japanische, afrikanische, bürgerliche oder bäuerliche Eßmanier? Werden genau diese Unterschiede in der Öffentlichkeit demonstriert, erhält das Mahl repräsentativen Charakter. Ohne moralische Skrupel haben mittelalterliche Könige vor ihren hungrigen Untertanen gespeist, und von Ma(h)l zu Ma(h)l wurde die Kluft größer. Es dauerte lange, bis sich die verschiedenen Schichten wieder annäherten und sich heute sogar in zwanglosem oder exclusivem Ambiente begegnen - in Fast-food-Restaurants, in Studentenmensen oder auf Staatsbanketten. Aber: Etikette muß sein, wenn's sein muß.

  • Gehobene Gesellschaft beim EssenDomenico Passignano (um 1560-1636) - Hochzeitsmahl der Großherzogs von Toscana um 1590