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Wari ist eines von vielen ähnlichen Spielen, die in den verschiedensten Teilen der Welt gespielt werden. Sie sind gemeinhin als Mancala-Spiele bekannt und wurden vor Tausenden von Jahren bereits in Ägypten gespielt, wo man eingemeißelte Spielbretter in den Steinen der Cheopspyramide und jenen der Tempel von Luxor und Karnak gefunden hat. Das Spiel breitete sich nach Asien und Afrika aus, wo die Araber gewisse Varianten entwickelten, und so überlebte es alle Epochen der ägyptischen Geschichte. Reisende aus Europa lernten es im 19. Jahrhundert in den Cafés von Kairo kennen, wo es üblich war, daß der Verlierer den Kaffee bezahlte, der während des Spiels getrunken wurde. Afrikanische Sklaven brachten Mancala nach Surinam und Westindien, wo es unverändert weiterbestand. In einigen Gegenden des heutigen Afrika - spielen Kinder dieses Uraltspiel in Mulden, die sie einfach in die Erde scharren. Obgleich allgemein als Männerspiel betrachtet, wird Wari in Afrika gelegentlich auch von Frauen gespielt, und etliche sind sehr geschickt darin. Ein Mann jedoch wird so eine kaum herausfordern, denn wenn er verliert, ist er dem lebenslangen Spott seitens seiner Kameraden ausgeliefert. Seiner Herkunft nach wird Wari zum Spaß und des Prestiges wegen aber nicht um Geld - gespielt. In einigen Gegenden hat es auch religiöse Bedeutung. In Surinam spielen Leidtragende manchmal einen Tag vor dem - Begräbnis Awari (eine Variante von Wari), um den Geist des - Verstorbenen zu erfreuen, aber bei Sonnenuntergang legt man das Spiel beiseite, sonst nimmt der Geist die Spieler mit.
Einer indischen Sage zufolge hat ein Weiser namens Qaflàn ein Spiel erfunden, welches ein Jahr darstellte: Das Brett hatte 24 - Felder für die Stunden des Tages, die 12 Felder jeder Spielplanhälfte waren die Monate und die Tierkreiszeichen, die 30 Steine waren die Tage des Monats, die zwei Würfel Tag und Nacht, und die 7 Augen auf den gegenüberliegenden Seiten eines Würfels die Wochentage und zugleich die bekannten Planeten des Sonnen- systems. Dieses Spiel war in Persien und dem Nahen Osten als Nard bekannt. Es ähnelte sehr dem römischen ludus duodecim scriptorum ("Zwölflinienspiel"), bei dem Kaiser Nero Unsummen verlor. Im ersten Jahrhundert nach Christus hieß es tabula (Tafel) und war deshalb bis zum Mittelalter in Europa als "Tables" - bekannt. Jahrhundertelang wurde es als dem Schach ebenbürtig - betrachtet. Wirte hatten Zulauf, wenn sie Spielbretter bereithielten, während höhere Stände, die Kreuzritter beispielshalber, sie auf ihren Feldzügen stets mit sich führten. In England führte die - Kirche im Mittlelalter einen langen, jedoch vergeblichen Kampf gegen das Tables - bis es schließlich im 18. Jahrhundert zum - Lieblingsspiel des niederen Klerus wurde. Seitdem kennt man es als Backgammon, von "back" und "gamen" (dem mittelenglischen Wort für game, Spiel), weil es im Spiel vorkommt, daß Steine zurück mußten, um von vorn zu beginnen. Backgammon erfreute sich in der Zeit der Romantik großer Beliebtheit und erlebte erst jüngst eine Renaissance als die große Leidenschaft des Jet-Set. Ein englischer Dandy rühmte sich: "Die einzige athletische Übung, die ich je beherrschte, ist Backgammon."
Beide Beschreibungen ermöglichen, moderne Multimedia-Spiele in ihrer historischen und interkulturellen Dimension ins Gespräch zu bringen. Als Aufgabe für einen Computer-Freak in der Klasse ist nämlich denkbar, ihn einen ähnlichen Text zu einem Computerspiel erstellen zu lassen. Dann werden dessen militärische - Ursprünge sowie die internationalen Entstehungszentren deutlich. Das Gespräch über historische und moderne Spielursprünge läßt schließlich Unterschiede erkennen.
