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Hintergrund: Jugend

Blauhemden unter roten Fahnen

  • Pionierhaus Sangerhausen/Sachsen-Anhalt, drei Jungs mit Pionierfahne (Quelle: Gerald Syring) Junge Pioniere posieren mit der Pionierfahne vor der Kamera des Besuchers aus dem Westen. Sie waren stolz auf ihr Pionierhaus, in dem nicht nur ideologische Kost angeboten wurde. Technische und naturwissenschaftliche Zirkel trafen oft die Interessen

Jugend in der DDR, da dachte man an Blauhemden der Freien Deutschen Jugend (FDJ), an Marschblocks unter roten Fahnen, an Sätze wie Wer die Jugend hat, hat die Zukunft oder Die Zukunft gehört dem Sozialismus! Vierzig Jahre DDR, mehr als vierzig Jahre sozialistische Erziehung, das sollte doch ausreichen, um junge Menschen zu sozialistischen Persönlichkeiten zu formen. Man erinnert sich aber auch an Berichte und Kommentare, in denen Beobachter der DDR-Szene Jugendliche beschrieben wurden, die nach politischen und gesellschaftlichen Alternativen suchten, die sich in oppositionellen Friedens-, Menschrechts- und Umweltgruppen zusammengeschlossen hatten, die zivilen Ersatzdienst statt Wehrdienst forderten, die unter dem Dach der evangelischen Kirche Foren für offene Diskussionen suchten. Wo stand die Jugend in der DDR tatsächlich, wie verhielt sie sich in öffentlichen und privaten Lebensbereichen? Fragen, auf die verlässliche Antworten nur schwer zu finden waren.

Staatliche Jugendpolitik

Unmittelbar nach Kriegsende bildeten sich in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) antifaschistische Jugendausschüsse. Die einst reich gegliederten Jugendorganisationen, die von den Nazis in der Hitlerjugend gleichgeschaltet worden waren, entstanden allmählich neu. Bereits am 7. März 1946 wurden alle neu entstandenen Organisationen unter dem Dach der FDJ zusammengeschlossen. Es sollte künftig nur eine Jugendorganisation geben, in der alle politischen und konfessionellen Strömungen vereint wurden. Im Sommer 1949, noch vor Gründung der DDR, übernahm die FDJ die im SED-Parteiprogramm festgeschriebenen politischen Ziele. Sie erklärte sich zu einem kommunistischen Jugendverband und wurde zur Kampfreserve der Partei ernannt. Die aus antifaschistischen Kindergruppen hervorgegangene Pionierorganisation Ernst Thälmann umfasste die Sechs- bis Vierzehnjährigen und wurde von der FDJ angeleitet und betreut. Pionierorganisation und FDJ hatten seither die Aufgabe, an der Erziehung der Jugend zu aktiven und bewussten Staatsbürgern, die die sozialistische Gesellschaftsordnung bejahen, mitzuwirken. Kinder- und jugendgemäße Freizeitangebote, vermischt mit politisch-weltanschaulicher Unterweisung, Großveranstaltungen zu politischen und historischen Gedenktagen, Sportveranstaltungen und Ferienbetreuung, jede Gelegenheit wurde genutzt, auf jungen Menschen einzuwirken.

Wandzeitung „Gestern Pionier – Heute Genosse“ (Quelle: Gerald Syring)

Die Wandzeitung im Pionierhaus Karl-Marx-Stadt (heute wieder Chemnitz) ließ keinen Zweifel, welche Ziele mit der Pionierorganisation verfolgt wurden: Schon im Kind sollte der Wunsch geweckt werden, einst der Partei der führenden Klasse anzugehören

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DDR - Kampfreserve der Partei 3

Der Besuch einer 2. Schulklasse im Betrieb endet mit der feierlichen Unterzeichnung eines Patenschaftsvertrags. Die FDJ-Sekretärin der Brigade gibt im privaten Bereich bei einem Interview Einblicke in ihre Wünsche und Träume. Der Film klingt aus mit dem Besuch einiger Brigademitglieder in einem Jazz-Café. (06:12)

Schule und Berufsausbildung

  • Vertragsunterzeichner unter dem Lenin-Bildl, Kinder an der großen Tafel im Festsaal des VEB SKL, Magdeburg (Quelle: Gerald Syring) Jede Schulklasse hatte eine Patenbrigade. Klassenlehrerin, Brigadier und Schüler der 2. Klasse waren in den Betrieb gekommen, um den Patenschaftsvertrag feierlich zu unterzeichnen
  • Schülerin arbeitet an einer Drehbank, Polytechnisches Zentrum Karl-Marx-Stadt (Quelle: Gerald Syring) Polytechnischer Unterricht im Fach „Produktive Arbeit“. In einem polytechnischen Kabinett lernten Schüler ab der 7. Klasse produktive Arbeit kennen. Nicht zuletzt sollte mit diesen Aktivitäten Berufswünsche geweckt oder gelenkt werden

Alle am Erziehungsprozess beteiligten Institutionen – Familie, Kinderkrippe und Kindergarten, Schule, Berufsausbildung, Fach- und Hochschulen, Pionierorganisation und FDJ – wurden im Gesetz über das einheitliche sozialistische Bildungssystem von 1965 auf die Erziehung sozialistischer Persönlichkeiten verpflichtet. Alle Erziehungs- und Bildungspläne waren an den Prinzipien Weltlichkeit (Trennung von Kirche und Staat), Staatlichkeit (Abschaffung aller Privatschulen), Wissenschaftlichkeit und Parteilichkeit (Grundlage aller Wissensvermittlung war der Marxismus-Leninismus) orientiert. Erzieher und Lehrer galten als höchste Produzenten – sie produzierten sozialistische Gesellschaft. Besonderes Merkmal der DDR-Schule war die polytechnische Bildung und Erziehung. Im Werk- und Schulgartenunterricht, ab Klasse 7 im Fach Produktive Arbeit, sollte die Verbindung von Theorie und Praxis, von Lernen und Arbeiten, von Schule und Leben hergestellt werden. Solcher Unterricht diente auch der Berufsorientierung und Berufswerbung. Der Staat garantierte jedem Jungendlichen eine Ausbildungsstelle. Ein differenziertes System der Berufsberatung setzt bereits in der 6. Klasse ein. Individuelle Berufswünsche sollten mit dem gesellschaftlichen Bedarf in Einklang gebracht werden, letzterer hatte in jedem Fall Vorrang.

Politisches und gesellschaftliches Engagement

Fast jeder DDR-Bürger gehörte einer politischen oder gesellschaftlichen Organisation an: Partei, Gewerkschaft, FDJ, Gesellschaft für deutsch-sowjetische Freundschaft, Kulturbund, Demokratischer Frauenbund oder der Volkssolidarität – die Aufzählung ließe sich unschwer fortsetzen. Konnte daraus geschlossen werden, dass Übereinstimmung der Bürger mit den ideologischen und politischen Überzeugungen der SED bestand? Es gibt keine verlässlichen Zahlen über den Grad echter Zustimmung. Das gilt selbst für die SED, der rund 2,3 Millionen Mitglieder angehörten. Ob alle Mitglieder von der Politik ihrer Partei überzeugt waren und ihr in gutem Glauben an die richtige Sache folgten, kann nicht mit Bestimmtheit ausgesagt werden. Es darf vermutet werden, dass sich Opportunisten in Anspruch nehmen ließen, sei es wegen leichterem beruflichen Fortkommens oder anderer Privilegien willen. Das gilt sicher in noch stärkerem Maße für die Bevölkerung außerhalb der SED. In den 80er Jahren verlor die Partei besonders bei der Jugend an Attraktivität, immer weniger junge Menschen waren zum Parteieintritt bereit.

Feiernde Schüler in der Fußgängerzone von Wernigerode (Quelle: Gerald Syring)

10 Jahre Schulpflicht sind geschafft. Verkleidet und fröhlich zogen die Absolventen durch die Stadt und teilten ihrer Umgebung lautstark mit, dass Schule nun Vergangenheit sei

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DDR - Kampfreserve der Partei 1

Die Jugendbrigade „Sigmund Jähn“ im SKL Magdeburg bei einer Brigadebesprechung, Mitglieder äußern sich zur Rolle der Brigade, die Redakteurin des Betriebsfunks spricht über ihre Arbeit, eine FDJ-Gruppensitzung folgt. (07:39)

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DDR - Jugendliche in der DDR 4

Die junge Facharbeiterin gibt Auskunft über ihr privates Leben, über Zukunftsvorstellungen und künftige Familie. Ein FDJ-Club in einem Neubaugebiet wird gezeigt, Jugendliche äußern sich über mageres Freizeitangebot, eine FDJ-Ordnungsgruppe erläutert ihre Aufgaben bei einer Disco-Veranstaltung. (07:50)

Politische Ansprüche und private Erfahrungen

  • Schulklasse montiert Leiterplatten, Polytechnisches Zentrum Karl-Marx-Stadt (Quelle: Gerald Syring) Schrauben, löten und messen wurde gelehrt. Die Leiterplatten waren produktionswichtig. Schon hier wurde mit Planvorgaben, Sollerfüllung und Qualitätsstandards gearbeitet als Hinführung auf die Arbeitswelt
  • Jugendliche und ihre Mopeds, Neubrandenburg (Quelle: Gerald Syring) Der Traum vieler Jugendlicher in der DDR war das eigene Moped. Besaß man es, hielt man einen kleinen Zipfel persönlicher Freiheit in den Händen. Besonders auf dem Lande war der fahrbare Untersatz von Vorteil, ließen sich damit die Dorf-Diskos erreichen

Die Medien der DDR kündeten täglich von der Wohlgestalt des Arbeiter- und Bauernstaates, von Harmonie in allen gesellschaftlichen Verzweigungen, von der prinzipiellen Interessenidentität zwischen Partei und Staat einerseits und den Bürgern andererseits. Die Alltagserfahrungen dienten dem Bürger als Nachweis der Widersprüche, die zwischen Propaganda und Erlebtem aufschienen. Besonders jungen Menschen leiden an solch tiefreichenden und schmerzlichen Widersprüchen. Der Arbeitsplatz – seine Sicherheit wurde als selbstverständlich genommen – erwies sich nicht als Kampfplatz für den Frieden, eher als ein durch Planungsmängel und Schlamperei verursachter Vergeuder von Arbeitszeit. Das Kollektiv war nicht unbedingt eine revolutionär vorwärtsstürmende Truppe, viel öfter erwies es sich als ein hermetisch abgeschlossenes Reservat, in dessen Schoß wohlige soziale Wärme herrschte, die nicht durch übertriebene Arbeitshektik gestört werden sollte. Manche Jugendliche erfuhren auf dem Weg der Integration in die Arbeitswelt ihren „Praxisschock“, sie hatten in der Schule gelernt, von welch revolutionärem Geist die Arbeiterklasse durchdrungen sei. Der Arbeitsalltag lehrte sie nicht selten etwas Anderes: Gleichgültigkeit und kollektiv verbrämtes Vorteilsstreben.

Sehnsüchte und Verhaltensstrategien

Der Staat behielt sich die Entscheidung vor, wer wann wohin reisen durfte. Inlandsreisen waren relativ billig und leicht beim volkseigenen Reisebüro Jugendtourist zu buchen. Schwieriger und vor allem teurer waren Reisen ins „befreundete“ Ausland. Die eigentliche Sehnsucht galt aber Ländern des NSW = Nichtsozialistisches Wirtschaftsgebiet, also kapitalistischen Ländern. Traumziele Jugendlicher waren Griechenland, Italien, Spanien oder Frankreich, die Bundesrepublik rangierte nur auf hinteren Traumplätzen. Bald folgte im Gespräch ein achselzuckendes „Ach, die Chancen, solche Länder zu sehen, sind gering“. Resignation in Stimme und Mimik ließen die innere Enttäuschung spüren.Jugend sucht nach modischen Ausdrucksformen, in der Kleidung ebenso wie in der ihr gemäßen Musik. Nur selten konnte der staatliche Handel den Wünschen gerecht werden. Das Westfernsehen war fast überall in der DDR zu empfangen, dort wurden Konsumgewohnheiten vermittelt und modische Orientierungen gegeben. Dabei wurde die Distanz erfahrbar zwischen dem, was im Alltag der DDR sein könnte und was real war, eine Erfahrung, die nicht zu steigender Zufriedenheit beitrug. Viele Jugendliche resignierten frühzeitig, passten sich den Lebensgewohnheiten der Älteren an. In der Öffentlichkeit sprach man eine Sprache, die dem Verlautbarungsdeutsch der DDR-Medien glich. Man hatte sie von Kindesbeinen an gelernt – im Kindegarten, in der Schule, bei den Pionieren in der FDJ. Wer sich in der Öffentlichkeit so äußerte entging der Gefahr aufzufallen oder gar anzuecken. Erst im vertrauten Kreis der Familie oder der Clique sagte man, was Sache war. Hier hatte man Meinungen und zeigte sie auch. Solches Verhalten kennzeichnete die private Nische, das Refugium, die man für Fremde und Unvertraute uneinsehbar hielt. Jene Jungendlichen, die durch ihr Engagement in oppositionellen Gruppen aufbegehrten, schufen durch ihr Beispiel jenen Mut, der im Herbst 1989 Tausende skandieren ließen: „Wir sind das Volk“!

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DDR - Jugendliche in der DDR 1

Neubrandenburg wird vorgestellt, Unterricht in einer 9. Klasse und Poly-technischer Unterricht im VEB Gartenbaubetrieb Neubrandenburg, in dem Lehrlinge Gartenbau und Blumenbinderei lernen. Ein Lehrling in einer Blumenverkaufsstelle spricht über berufliche Ziele. (10:17)

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DDR - Jugendliche in der DDR 2

Versorgungsprobleme bei Jugendmode und Jugendmusik werden von Kunden und Verkaufsstellenleiterinnen angesprochen. Eine junge Gärtnereifacharbeiterin berichtet von ihrer Arbeit. Im Lehrlingswohnheim spricht eine Jugendliche über Freizeit, Reisen, Zukunft und Familie. Eine FDJ-Gruppenstunde und ein Gespräch mit einer FDJ-Sekretärin folgen. (15:12)