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Hintergrund: Arbeitswelt

„Mein Arbeitsplatz – Kampfplatz für den Frieden“

  • Werkseingang, Getriebewerk Wernigerode (Quelle: Gerald Syring) Im „Volkseigenen Betrieb“ (VEB) Getriebewerk in Wernigerode arbeiteten 600 Menschen. In Brigaden gegliedert, die auch Kollektive genannt wurden, versahen sie ihre Arbeit

Arbeit sollte in der DDR nicht allein dem Broterwerb dienen, sollte nicht allein Feld der Selbstverwirklichung sein, sondern auch ideologisch-politischen Forderungen genügen. Wer gut arbeitet, den Plan erfüllt oder gar übererfüllt und beste Qualität hervorbringt, stärkt den Sozialismus, stärkt den Arbeiter- und Bauernstaat DDR. Eine starke DDR und ein starker Sozialismus wurden als beste Garanten für die Erhaltung des Friedens angesehen. Jeder gute, gewissenhafte Arbeiter wurde somit zum Friedenskämpfer.

Arbeiten im Kollektiv

Der einzelne Mensch könne seine Fähigkeiten nur in der Gemeinschaft mit anderen zur vollen Entfaltung bringen, so lehrte es die marxistisch-leninistische Ideologie, die für alle Lebensbereiche in der DDR maßgeblich war. Folglich wurden die Arbeitenden in Arbeitsbrigaden integriert, die in ihren Zusammensetzungen nicht nur produktionsbedingten Abläufen folgten, sondern auch gesellschaftspolitisch relevant waren. Brigaden oder Kollektive sollten auch Orte der Herausbildung sozialistischer Persönlichkeiten sein. Anstelle von Konkurrenz wurde Solidarität angestrebt. Das Arbeitskollektiv war für viele DDR-Bürger eine Art soziale Heimat, die Geborgenheit und gegenseitige Hilfe bot.

Plakatwand in Eisenach (Quelle: Gerald Syring)

Arbeit als Friedenskampf – wer plantreu und mit bester Qualität arbeitet, stärkt die DDR, stärkt den Sozialismus und sichert damit den Frieden. So sahen es die Propagandisten. Der Arbeiter an der Werkbank dachte nüchterner

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DDR - Landwirtschaft in der DDR 1

Das Dorf Altenhof liegt im Südosten Mecklenburgs. Die Bedeutung der LPG wird erläutert. Der LPG-Vorsitzende leitet eine Vorstandssitzung. Die Rolle der SED auf dem Lande wird erklärt. Bodenreform und Entwicklungen auf dem Lande zeigt ein historischer Rückblick. Die Kartoffelernte 1988 wird gezeigt, dabei auch Reparaturarbeiten an Maschinen während des Einsatzes. (08:27)

Arbeiten nach Plan

  • Karl Marx Porträt und rote Wandzeitung, Getriebewerk Wernigerode (Quelle: Gerald Syring) Brigaden erhielten bei guten Leistungen einen „revolutionären Namen“. Hier hatte die Brigade „Karl Marx“ ihre Wandzeitung, die recht vernachlässigt wirkte. Spöttisch wurde auch vom „sozialistischen Herrgottswinkel“ gesprochen

Der Volkswirtschaftsplan war Gesetz. Er bestimmte, was und wie viel zu produzieren war, welche Investitionen ein Betrieb erhielt, wie viele Arbeitskräfte beschäftigt werden durften,was das Produkt kostete und welchen Lohn die Arbeitenden erhielten. Alles bestimmte der Plan, nur die Nachfrage nicht, weil die sich nicht bestimmen lässt. Für den Arbeitsprozess wurde der Plan bis in die kleinste Verrichtung aufgeschlüsselt. Jeder Arbeitende wusste, welche Leistung zu erbringen war. Planerfüllung wurde somit zu einem Qualitätsmerkmal geleisteter Arbeit. Andererseits führte das Plandiktat zu unflexiblem Verhalten. Ein Beispiel: Bei Film-Dreharbeiten in einem Industriebetrieb wurde für eine Kamerafahrt durch die Werkhalle ein Elektrokarren samt Fahrer bereitgestellt. Bereits nach wenigen Metern Fahrt zeigte sich, dass der Boden zu uneben ist, die Filmaufnahmen folglich unbrauchbar sind. Elektrokarren und Fahrer waren für einen Tag eingeplant, also blieb der Fahrer bis zum Ende seiner Schicht auf dem Karren sitzen.

Titel, Prämien und Orden

Wo Konkurrenz und Chancen zu sozialem Aufstieg als Antrieb für höhere Arbeitsleistungen fehlen, müssen andere Mechanismen eingesetzt werden. So erfanden Partei und Staat in der DDR ein umfassendes Auszeichnungssystem. Auf der unteren Stufe rangierte die Auszeichnung Aktivist . Plantreues Arbeiten wurde mit einer Geldprämie und einem Orden belohnt. Für herausragende Leistungen wurde der Titel Held der Arbeit samt beachtlicher Geldprämie und prächtigem Orden verliehen. Brigaden standen untereinander im sozialistischen Wettbewerb, zum Beispiel um den Titel Hervorragendes Jugendkollektiv oder Kollektiv der sozialistischen Arbeit. Brigaden sollten nicht nur vorbildliche Arbeitsleistungen vorweisen können, um titelwürdig zu werden, galten auch gemeinsame Freizeitgestaltung und Teilnahme am kulturellen Leben wie Theater- und Museumsbesuche.

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DDR - Landwirtschaft in der DDR 2

Informationen über den Maschinenpark der LPG und über Beschaffung neuer Maschinen folgen. Düngung, Pflanzenschutz, Boden- und Umweltbelastungen werden angesprochen. Eine Fischerreigenossenschaft fischt Karpfen ab, die auf gefluteten sauren Wiesen der LPG gezüchtet werden. Das Erntefest gilt als kultureller Höhepunkt des Jahres. Frauen äußern sich beim Sortieren und Einlagern der Kartoffelernte über Arbeitsbedingungen und Lohn. Private Tierhaltung wird als Nebenerwerb betrieben. (10:16)

Arbeitsproduktivität

  • Volksarmist kommt vom Toilettengang, Tollensesee bei Neubrandenburg (Quelle: Gerald Syring) Ein Arbeitsplatz der besonderen Art: Pachttoilette. Im Naherholungsgebiet Tollensesee bei Neubrandenburg betrieb ein Rentnerehepaar diese Nebenerwerbsquelle, um die karge Rente aufzubessern

Seit der Wende 1989/90 ist bekannt, dass die Arbeitsproduktivität in der DDR deutlich unter der westlicher Industriestaaten lag. Die Gründe dafür waren vielschichtig:

Da sind zu nennen: Demontage von Industrieanlagen und Verkehrsmitteln (2. Gleis der Bahn) durch die sowjetische Besatzungsmacht als Reparationsleistung ,die die Startbedingungen für den Wiederaufbau im Osten Deutschlands verschlechterten; es standen keine Hilfsprogramme zur Verfügung wie etwa der Marshall-Plan für den Westen Deutschlands; durch die Teilung wurde der Osten Deutschlands von den schwerindustriellen Zentren abgeschnitten; die Abwanderung gut ausgebildeter Arbeitskräfte vor dem Bau der Mauer 1961 schwächten die wirtschaftliche Entwicklung der DDR nachhaltig. Aber auch das starre Planungssystem behinderte wirtschaftliche Abläufe.

Auch bestand, gemessen an westlichem Standard, ein erheblicher technologischer Rückstand. Maschinen und Anlagen waren vielerorts veraltet und verbraucht. Immer wieder kam es zu Produktionsausfällen durch Materialmangel oder Havarien. Die mangelnde technologische Ausstattung durch verstärkten Arbeitskräfteeinsatz auszugleichen führte dazu, dass es einerseits keine Arbeitslosigkeit gab und die Arbeitsplätze sicher waren, andererseits die Arbeitsleistung je Arbeitskraft = Arbeitsproduktivität sehr niedrig blieb. Am Arbeitswillen und der Arbeitsfähigkeit der Menschen in der DDR lag es nicht, dass ihre Anstrengungen so wenig Erfolg brachten. Sie haben hart gearbeitet, oft unter widrigen Bedingungen. An ihnen lag es nicht, dass das Wirtschaftssystem der DDR dem weltweiten Konkurrenzdruck nicht standhalten konnte.

Wendefolgen

Große Teile der DDR-Industrie sind zusammengebrochen, Hunderttausende verloren ihren Arbeitsplatz. In Eisenach, wo einst 10.000 Menschen zur Herstellung des Pkw Wartburg arbeiteten, auf den der Kunde mehr als zehn Jahre warten musste, produziert heute Opel mit knapp 2000 Beschäftigten und modernster Technologie Autos im Überfluss. Menschen im Osten Deutschlands mussten und müssen lernen, sich in der Arbeitswelt zu behaupten und Konkurrenz auszuhalten. Lebensstrategien, die entwickelt wurden, um in der DDR-Gesellschaft einigermaßen zufrieden leben zu können, taugen für ein gleich zufriedenes Leben in der westlichen Gesellschaft nicht. Viele Erfahrungen sind wertlos geworden, müssen durch mühsam neu zu erwerbende Verhaltensweisen ersetzt werden. Der Arbeitsplatz ist eben nicht mehr der Kampfplatz für irgendein ideologisches Ziel, er ist nun der Platz, an dem Konkurrenz erfahren wird und ausgehalten werden muss.

  • Arbeiter einer Brigade sitzen und stehen um ihren Brigadier, VEB Schwermaschinenbau Karl Liebknecht (SKL) in Magdeburg (Quelle: Gerald Syring)

    Brigadeberatung. Der Brigadier (zumeist ein Meister), erläutert seiner Brigade die Arbeitsaufgaben

  • Junge Arbeiterinnen und Arbeiter beim Skat in der Werkhalle, SKL Magdeburg (Quelle: Gerald Syring)

    Pausenvergnügung: Mitglieder der Brigade „Sigmund Jähn“ klopfen einen zünftigen Skat. Wenn Material ausblieb oder eine Maschinenhavarie zu einer Zwangspause führte, ließ sie sich leicht mit Kartenspiel füllen

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DDR - Warnemünde 1

Warnemünde im Umbruch. Die Warnow-Werft, einst in der Planwirtschaft, sucht den Weg in die Marktwirtschaft. Der ehemalige Parteisekretär äußert sich zur Planwirtschaft. Die Folgen beim Übergang zur Marktwirtschaft aus verschiedenen Blickwinkeln – Arbeiter und Werftdirektor. Umschulungs- und Qualifizierungsprogramme zur „Abfederung“ von Arbeitslosigkeit. (11:12)

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DDR - Warnemünde 2

Sorgen vieler Menschen, ob die Wohnungsmieten zu zahlen sind, ob der Arbeitsplatz erhalten wird, ob die gewohnten Lebenszusammenhänge bestehen bleiben, was aus den sozialen Einrichtungen der Werft wird. (05:12)