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Hintergrund: Nordsee-Tiere

Silbermöwen

  • Nahaufnahme einer fliegenden Silbermöwe mit ausgebreiteten Flügeln. Eine Silbermöwe in der Luft auf Nahrungssuche; Rechte: Mauritius/Krausova

Silbergraue Flügel mit schwarzen Spitzen und ein schneeweißer Bauch – für Silbermöwen ist das die beste Tarnung. So sind sie für ihre Beute von unten gegen das Sonnenlicht schwer zu erkennen, wenn sie in der Luft kreisen, und größere Raubvögel sehen sie von oben gegen die dunkle Meeresoberfläche nicht sofort. Außerdem regulieren die Seevögel mit ihrer dunkleren Flügeloberseite ihre Körpertemperatur. Das Sonnenlicht wird absorbiert und die Wärme abgegeben, noch bevor sie bis auf die Haut dringt. Ausgewachsen sind Möwen 50 bis 66 Zentimeter groß und können eine Spannbreite von 1,45 Metern erreichen. Ihr Gewicht beträgt rund 1,5 Kilogramm.

Ursprünglich stammt die Silbermöwe aus Nordamerika. Erst in den 1920er Jahren wurde sie an den Küsten Mittel- und Nordeuropas heimisch, wo sie heute am häufigsten verbreitet ist. Sie ernährt sich vor allem von Fischen, aber auch Krebse, Krabben, Würmer, Muscheln, Schnecken und Vogeleier verschmäht sie nicht. Wie die Lachmöwe sucht sie auch gerne auf Müllkippen und Äckern nach Essbarem. Ihre natürlichen Feinde sind Greifvögel, Haie und Landraubtiere. Kommt sie ihnen nicht zu nahe, kann sie über 30 Jahre alt werden.

Geschlechtsreif sind Silbermöwen nach vier bis sieben Jahren, dann brüten sie von April bis Juni in riesigen Kolonien an Stränden und in Dünen. Das Weibchen legt zwei oder drei Eier, die beide Elterntiere wärmen, bis nach knapp 30 Tagen die Küken schlüpfen. Fünf bis sechs Wochen später werden sie flügge. Die Jungtiere sind braun gefärbt und fallen außerdem durch ihr wimmerndes Pfeifen auf.

Miesmuscheln

  • Eine geöffnete Miesmuschel wird zwischen Daumen und Zeigefinger gehalten. Die Schale der Muschel geht beim Kochen auf; Rechte:dpa
  • Nahaufnahme frisch gefangener Miesmuscheln, die zum Teil mit Seepocken bewachsen sind Auf den Muscheln siedeln gerne Seepocken; Rechte: dpa

Die Miesmuschel spinnt mit einer Drüse im Fuß braune Byssusfäden. In ihnen setzen sich die Muscheln fest, nachdem sich die Larven etwa vier Wochen frei schwebend als Plankton entwickelt haben. Einer der Hauptbestandteile des Klebeproteins ist ein Molekül namens Dopa, das sogar an Metallen oder an organischen Stoffen haften kann. Deshalb findet man Miesmuscheln an den unterschiedlichsten Oberflächen: an Pfählen, Schiffsrümpfen oder sogar auf der Haut von Walen. Mit den reißfesten Eiweißfäden schützen sie sich vor dem Abdriften und ziehen sich selbst aus dem Schlamm, der entsteht, während sie das Wasser filtern. Eine Schleimschicht auf den Kiemen hält dabei organische Abfälle und Mikroorganismen zurück, die dann mit Wimpernbewegungen zum Mund transportiert werden.

Die natürlichen Feinde der Miesmuschel sind Seesterne, Walrosse, Fische, Enten und Möwen. Vor ihnen schützt die Schale, die bei Gefahr ruckartig mit dem Schließmuskel zusammengezogen wird. So kann die Miesmuschel auch Wochen verharren. Die Miesmuschel ist meist fünf bis zehn Zentimeter lang und hat eine ovale Schale, die braun oder blau-violett gefärbt ist. Ihre Oberflächenschicht ist aus Eiweißen aufgebaut. Darunter finden sich mehrere Kalkschichten in Kristallform. Man findet Miesmuscheln sowohl in der Gezeitenzone als auch in bis zu 50 Metern Tiefe in Nord- und Ostsee, im Mittelmeer und im Atlantik.

Miesmuscheln sind die wichtigsten essbaren Muscheln. In Frankreich wurden sie schon im 13. Jahrhundert an Holzpflöcken gezüchtet, heute werden sie auch an anderen europäischen Küsten kultiviert.

Hummer

  • Eine Nahaufnahme eines Hummers von vorne. Die Scheren eines Hummers sind nicht beide gleich; Rechte: WDR
  • Nahaufnahme einer gelblich schimmernden Hummerlarve im Wasser. Nur ein Bruchteil der Hummerlarven überlebt; Rechte: WDR

Meist landet der Hummer schon im zarten Alter von vier oder fünf Jahren im Kochtopf, dabei kann er über 50 Jahre alt werden. In der Regel sind Hummer nicht größer als 30 Zentimeter und wiegen etwa ein Kilogramm. Die nachtaktiven Tiere leben im Sommer im flachen, felsigen Küstengewässer, im Winter ziehen sie sich in Felsspalten bis zu 50 Meter unter die Wasseroberfläche zurück. Ihre Farbe variiert zwischen blau, grau, braun und violett. Dies ist abhängig von der Gesteinsfarbe in ihrer Umgebung und der Nahrung. Ein Hummer frisst Muscheln, Krebse, Fische, Seeigel und andere Hummer – was ihn zu einem richtigen Einzelgänger macht.

Paarungsbereite Weibchen werden selbstverständlich verschont: Das Männchen nimmt sie in ihren Unterschlupf auf und wartet geduldig, bis sie sich gehäutet haben. Ist der Liebesakt vollzogen und das Weibchen wieder ausgehärtet, muss es jedoch weiterziehen. Hummerweibchen laichen nur alle zwei Jahre, tragen dann aber bis zu 100.000 Eier unter ihrem Schwanzteil. Wenn die Larven schlüpfen, sind sie kleiner als ein Zentimeter und in der Regel schaffen es höchstens drei von ihnen, ein großer Hummer zu werden.

Mit seinen kräftigen Scheren, die fast so lang sind wie der gesamte Rumpf, kann der Hummer einem Menschen übrigens die Finger brechen. Die Augen eines Hummers sind nicht besonders gut, aber dafür seine Nase: Mit seinen kurzen Antennen, auf denen winzige Sinneshaare sitzen, durchkämmt er das Wasser nach chemischen Informationen. Hummer verständigen sich auch über ihren Geruchssinn: Pheromone im Urin verraten einem Hummer, der von einem anderen angegriffen wird, ob er schon einmal gegen seinen Konkurrenten verloren hat und ein neuer Kampf sinnlos ist.

Sepia

  • Eine Sepia von der Seite aufgenommen. Zwei ihrer Arme sind nach oben gerichtet. Verliert die Sepia einen ihrer zehn Arme, wächst er wieder nach; Rechte: WDR
  • Eine Sepia, die zwischen Korallenriffen schwimmt. Ihre Haut ist gemustert wie die eines Zebras Wenn sie sich paaren wollen, verfärben sich die Sepien; Rechte: Mauritius

Meist schwimmt sie nur gemächlich vor sich hin, aber wenn es sein muss, schießt die Sepia schnell wie ein Pfeil davon. Dann saugt sie Wasser auf und stößt es abrupt durch ein schmales Rohr wieder heraus. Bei Gefahr spuckt sie außerdem dunkle Tinte, um den Angreifer zu verwirren.

Wie die meisten Tintenfische besitzt die Sepia einen hornigen Schnabel. Um den Mund herum hat sie zehn Fangarme – zwei längere und acht kurze Tentakel. Verliert sie einen Arm oder einen Teil davon, kann sie ihn ohne Probleme ersetzen. Die Sepia ist ein nachtaktiver Räuber; sie lebt bevorzugt am Meeresboden und lauert dort Garnelen und Fischen auf. Dabei ist sie perfekt getarnt: Sie gräbt sich in den Sand ein und passt ihre Farbe der Umgebung an. Ihre Haut selbst ist zwar weiß, aber sie besitzt Zellen, die mit Farbstoff gefüllt sind. Über ihr Nervensystem steuert sie kleine Muskeln, die an den Farbzellen ansetzen und sie bei Bedarf auseinanderziehen, so dass ein Farbfleck auf der Haut erscheint und sich auch die Oberflächenstruktur verändert.

Auch während der Paarung verfärben sich Sepien und tragen dann ein auffälliges Zebramuster. Sie treffen sich in großen Schwärmen und die Männchen kämpfen miteinander um die Weibchen. Nach der Befruchtung legen die Weibchen die Eier ab und heften sie an Algen fest. Zur Tarnung färben sie die leuchtend weißen Eier mit ihrer Tinte schwarz ein. Die Männchen beobachten währenddessen ihre Rivalen, die weiterhin versuchen, ihnen die Partnerin abspenstig zu machen oder das Gelege zerstören wollen. Kurz nach der Paarung und Eiablage sterben die Tiere.

Petermännchen

  • Ein Petermännchen auf dem Meeresgrund. Unscheinbar, aber gefährlich – das Petermännchen; Rechte: WDR

Ein Stich vom Petermännchen verursacht extreme Schmerzen und Schwellungen – wohl deshalb werden sie auch Höllenfische genannt. Die vor allem im östlichen Atlantik verbreiteten Fische gehören zu den giftigsten Tieren Europas. Das Kleine Petermännchen, das rund zehn Zentimeter misst, steht dem bis zu 40 Zentimeter langen Großen Petermännchen dabei in nichts nach. Beide graben sich tagsüber bis zu den Augen in Schlamm ein und lauern dort auf Beute. Kommt zum Beispiel eine Garnele oder ein kleinerer Fisch näher als einen Meter an das Petermännchen heran, stoßen sie aus ihrem Versteck heraus. Nachts gehen sie auch aktiv auf Nahrungssuche.

Ihre Färbung ist an den Boden angepasst: Das Große Petermännchen ist gelbbraun und hat dunkle Querstreifen, das Kleine Petermännchen ist graubraun und gepunktet. Beide Arten werden zwischen drei und fünf Jahre alt.

Das Gift des Petermännchen, das aus einer Vielzahl von Proteinen besteht, steckt in den Dornen auf der Rückenflosse und den Kiemendeckeln. Es wirkt als Nerven- und Herzgift. Auch für Menschen ist der Stich eines Petermännchens nicht nur sehr schmerzhaft, sondern auch gefährlich: Das Gift kann Lähmungen und Bewusstlosigkeit verursachen. Weil es ein hitzeempfindliches Eiweiß ist, kann man einen Stich mit der Wärme einer glühenden Zigarette oder heißem Wasser behandeln. Zwischendurch muss man immer wieder kühlen, damit es keine Verbrennungen gibt. Anschließend sollte man sofort einen Arzt aufsuchen.