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Maschinenraum, Brücke und Periskop der Gulliver: Das war der Unterwasserkameramann Paul Mai. Ob bei rasanten Stürzen in die Tiefe, zwischen den Krallen eines Knurrhahns oder beim bildfüllenden Blick ins Auge eines Tintenfisches: Er war ständig in Bewegung, denn nicht die "handelsübliche" behäbige Unterwasserkamera war hier gefragt sondern der dynamische U-Boot-Look. Noch dazu aus der Perspektive eines Winzlings. Um das umsetzen zu können, arbeitete Paul Mai mit drei Kameras: Mit seiner Mini-DV-Cam im Unterwassergehäuse und mit einem Außenmonitor konnte der Kameramann im freien Wasser und in den großen Beckensets optimal navigieren.
Für rasante Fahrten auf sehr kurze Distanz zum Objekt und durch kleinste Spalten und Schluchten benutze Paul Mai eine Fingerkamera in einem Spezialgehäuse, kaum größer als ein Lippenstift. Die extremen Nahaufnahmen drehten Mai und der zweite Kameramann und Produzent Wolfram Schiebener mit Tieren im Aquarium und einer Makrooptik.
Paul Mai filmt und Autorin Ismeni Walter gibt Anweisungen; Rechte: WDR
Die Crew beim Dreh im Aquarium in Tönning; Rechte: WDR
Gedreht wurde im Sommer 2004 an der Oosterschelde im Südwesten Hollands und auf der Insel Helgoland. Die meisten Außenaufnahmen und zahlreiche Makrodetails entstanden an mehreren Tauchplätzen an der Oosterschelde, mit tatkräftiger Unterstützung der Taucher Barney Seyer und Robert Höfer. Die beiden kennen das Revier wie ihre Westentasche und führten das Team immer zur richtigen Zeit an den richtigen Ort: Zu den Seeanemonenwiesen, den Hummerhöhlen und den Paarungsplätzen der Tintenfische.
Auf Helgoland durfte das Team zehn Tage lang das Hafenlabor der Biologischen Anstalt Helgoland in Beschlag nehmen: In einem 4000-Liter-Becken war Platz genug für Tiere, Taucher, Kamera und Regie. Dort konnten sie Unterwasserlandschaften aufbauen und alle Szenen drehen, die wegen ihrer Dramaturgie und festgelegten Bildfolge beim Tauchen im freien Wasser kaum realisierbar gewesen wären. Viel Hilfe gab es dabei von den Forschungstauchern des Institutes, die die Dreharbeiten vor Ort betreuten und die Filmer mit jeder Menge tierischer Hauptdarsteller versorgten.
Die Chance, besonders seltene und scheue Protagonisten zu filmen, bekam das Team durch die Möglichkeit, einen weiteren Tag im Multimar Wattforum in Tönning zu arbeiten.
Startklar für den ersten Tauchgang; Rechte: WDR
Möwenjagd mit köstlichen Ködern an der Kamera; Rechte: WDR
Die wichtigsten Mitwirkenden in dieser Produktion waren natürlich die vielen Nordseebewohner, die unserem Mini-U-Boot auf seiner Fahrt begegneten. Knurrhahn, Seestachelbeere, Sepia & Co waren nicht immer leicht aufzuspüren, aber dank der Unterstützung der Tauchkollegen, der Institute und ihrer Mitarbeiter mussten bei der Besetzungsliste keine Abstriche gemacht werden.
Schwierigkeiten tauchten allerdings dort auf, wo das Team sie am wenigsten erwartet hatte: Bei der ersten Episode sollten Möwen, aus dem Wasser heraus und schwimmend von unter Wasser, möglichst nah gefilmt werden. Doch Paul Mai und das Team wurden in Holland auf eine harte Probe gestellt: An Land waren die Möwen zahm, um nicht zu sagen dreist und verfressen. Im Wasser dagegen waren sie sehr scheu, vor allem wenn Taucher und Kamera im Wasser waren. Vermutlich hielten sie ihn für einen Beutegreifer. Da half es auch nichts, die Kamera mit allen möglichen "Leckerlis" zu behängen.
Erst auf Helgoland, als Paul Mai mit den Tauchern der Meeresstation in ihrem Schlauchboot hinausfahren konnte, gelangen ihm die ersehnten Aufnahmen. Dafür musste er sich mit dem schweren Kameragehäuse weit über Bord hängen und dann nach oben "filmen". Sobald er ganz ins Wasser ging, waren die Vögelchen trotz der Fischköder sofort verschwunden.
Konstrukteurin der Gulliver und ihrer technischen Extras - Mikroskopkamera, Röntgenblick und vieles mehr - war die Grafikerin Elke Baulig. Mit Fantasie und Liebe zum Detail entwarf sie die Außenansicht des Mini-U-Boots, seine Innenausstattung beim Blick aus dem Fenster und viele zusätzliche kleine Tricks, die die Vorgänge im Schiff erst richtig lebendig werden ließen.
Für die Mikroskopkamera baute sie aus unzähligen einzelnen rasterelektronen-mikroskopischen Aufnahmen rasende Zooms in die Mikrostruktur der verschiedensten Tiere. Besonders spektakulär ist der von ihr entworfene Röntgenblick, der das Innerste der Meeresbewohner sichtbar machen kann. Wie sie das fertig gebracht hat, bleibt allerdings ihr Betriebsgeheimnis.
