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Inhalt der Sendung

Das 20. Jahrhundert

Das 20. Jh. ist ein Jahrhundert der Zerstörung und der Kriege, Diktaturen und der neuen Götter. Hier: Explosion einer Atombombe.

  • Atompilz
  • Zerstörte Häuser

Österreich-Ungarn erklärte Serbien den Krieg. Kriegserklärung folgte auf Kriegserklärung. Unaufhaltsam stürzte ganz Europa in den 1. Weltkrieg (1914-1918).

Man glaubte, es werde ein kurzer Krieg. Viele dachten sogar, er werde die Menschen und Nationen Europas läutern. Der Krieg als moralische Anstalt. Es kam ganz anders. Mit bisher nie erlebtem Vernichtungswillen fielen die Völker des Abendlandes übereinander her. Mit christlichem Beistand. Trotz aller Widersprüche, im Schützengraben gab der christliche Glaube den letzten Halt.

  • Schlachtfeld im Bombenhagel
  • Plakat: Einladung zum Militärgottesdienst

Die russische Revolution 1917. Viele Menschen setzten nach dem Krieg ihre Hoffnung auf neue Ideen: Sozialismus und Kommunismus. Diese Menschen wollten endlich frei sein, auch von der mächtigen Kirche. Sie wollten Glück, Wohlstand, Frieden. Ihr Anführer: Lenin. Seine revolutionäre Splittergruppe, die Bolschewiki, übernahmen gewaltsam die Macht. Der Zar dankte ab.

  • Menschenmassen
  • Porträt Lenin
  • Russisch-orthodoxer Patriarch

In Russland bewahrte bis dahin die orthodoxe Kirche eine jahhundertealte religiöse und nationale Tradition. Tief im Volk verwurzelt. Untrennbar ist sie mit der Zarenherrschaft verbunden. 1918 fand die letzte öffentliche Liturgie auf dem roten Platz statt.

Jetzt wurde im kommunistischen Russland jeder Religionskult verboten. Atheismus war Staatsdoktrin. Alle Kirchengüter wurden eingezogen, zum Wohl des Staates.

  • Plünderung von Kirchenschätzen
  • Plünderung von Kirchenschätzen
  • Plünderung von Kirchenschätzen

Der Solovetskij-Archipel. 1920 entstand im enteigneten Kloster eines der ersten Straflager auf russischem Boden. Von hier aus hat sich der Archipel Gulag, das Imperium der Straflager, immer weiter ins Land hineingefressen. Ein Kloster als Gefängnis für Christen. Fast alle Geistlichen der russisch-orthodoxen Kirche wurden bis 1930 ermordet.

  • Bildschirmtafel: Solovetskij-Archipel
  • Kloster

Inhalt: Pforten der Hölle

Das 20. Jahrhundert beginnt voller Optimismus. Technischer Fortschritt und Weltverkehr scheinen ein goldenes Zeitalter heraufzuführen. Wenig später taumelt Europa in den Ersten Weltkrieg. In nationalistischer Verblendung fallen die "christlichen" Völker übereinander her. In der "Blutmühle" von Verdun werden die Menschen zum anonymen Objekt der Materialschlacht. Der Zusammenbruch stürzt vor allem das landeskirchliche Luthertum in eine tiefe Krise. In Russland bringt die Oktoberrevolution eine atheistische Diktatur an die Macht. Für Stalin ist die Vernichtung des Christentums erklärtes Ziel. Zahlreiche Priester, Mönche und Gläubige fallen den großen Säuberungen zum Opfer. In Italien findet die "Römische Frage" in den Lateranverträgen eine Lösung. Der Vatikan wird zum unabhängigen Staat.

Unter dem Nationalsozialismus verwandelt sich Deutschland in eine rassistische Diktatur. Alle Großgruppen der Gesellschaft werden gleichgeschaltet. Der Vatikan hofft über ein Konkordat auf berechenbare Verhältnisse. Die Evangelische Kirche soll in eine rassisch reine "deutsche Reichskirche" verwandelt werden. "Pfarrernotbund" und "Bekennende Kirche" organisieren den Widerstand. Inzwischen sind die jüdischen Mitbürger der systematischen Vernichtung ausgesetzt. Die Kirchen wagen keinen öffentlichen Protest. Widerstand oder Anpassung? Das persönliche Bekenntnis zu Christus und zum christlichen Menschenbild wird zur inneren und äußeren Überlebensfrage. Während die Kirchenorganisationen versuchen, mit mancherlei Kompromiss zu überwintern, gehen einzelne Christen in den Widerstand. Viele werden verhaftet und ermordet. Menschen wie Dietrich Bonhoeffer, Maximilian Kolbe, Edith Stein oder die Widerstandsgruppe der "Weißen Rose" setzen dem verbrecherischen Staat eine unwiderrufliche Grenze und retten das Christentum über den Untergang der Diktatur hinweg.

Papst Pius XI. (1922-1939) wollte ein starker Papst sein. Der Vatikan sollte die Weltpolitik mitgestalten, forderte er. Durch Konkordate, Verträge mit den Staaten Europas, sollte Einfluss genommen werden. Diese Verträge sind es aber auch, die Taktik und Kalkül erfordern und die Kirche in die Nähe weltlicher Politik rückten.

  • Porträt Papst Pius XI.Rom, Vatikan. Papst Pius XI. (1922-1939)

1922. In Italien regierten die Faschisten. Ihr Anführer war Benito Mussolini (1883-1945). Die fehlenden Inhalte ersetzte er und seine Anhänger durch politischen Terror. Mit Mussolini schloss der Vatikan einen Staatsvertrag (Konkordat). Für Mussolini ein großer Sieg, diplomatische Anerkennung. Das Konkordat beendete eine 60-jährige Fehde zwischen dem weltlichen Italien und dem Vatikan. Der Papst erhielt sein eigenes Teritorium, den Vatikanstaat. In Italien wird der Katholizismus Staatsreligion. Ein politischer Erfolg, aber zugleich gefährliche Annäherung an ein teuflisches Regime.

  • Benito Mussolini
  • Papst PiusXI. und Mussolini

Deutschland, ein Jahr nach der sogenannten Machtergreifung von 1933. Hitler gab sich zuerst kirchenfreundlich. Viele Kirchenleute feierten deshalb gerne mit, Katholiken wie Protestanten. Reichsparteitag. Der Nationalsozialismus als Gegenkirche. Viele Deutsche hatten seit dem 1. Weltkrieg ihren Glauben, ihre Ideale, ihre Hoffnung verloren. Hier, inmitten kultischer Repräsentanz, schien es, fanden sie Ersatz. Das Buch der Deutschen: Mein Kampf.

  • Geistliche beim Hitlergruß
  • Flaggenmeer aus Hakenkreuzen

    Kultische Repräsentanz

  • Adolf Hitler

Bilder aus dem Leben der Kirchen zur Zeit der Machtergreifung, nicht Nationalsozialismus und doch kaum von der Hitlerjugend zu unterscheiden. Paramilitärischer Drill zur Stärkung christlischer Moral. Das Missverständnis einer ganzen Epoche.

  • Jugendliche marschieren
  • Jugendliche in Reih und Glied

Katholiken und Protestanten im nationalsozialistischen Deutschland

Die weitgehend entkirchlichten Gebiete des Protestantismus waren es, die Adolf Hitler (1889-1945) bei den Reichstagswahlen die Mehrheit brachten. Die Katholiken im Land waren damals eine starke Minderheit in einem vorwiegend protestantischen deutschen Reich. Das Misstrauen gegen den Obrigkeitsstaat hatten sich viele Katholiken bewahrt.

  • Porträt Papst Pius XI.

Papst Pius XI. (1922-1939) schätzte Hitler nicht, daraus machte er keinen Hehl. Aber er wollte seine Kirche in Deutschland sichern. Schon 1933 schloss er ein Konkordat (Staatsvertrag) mit den deutschen Machthabern ab und entmachtete damit den politischen Katholizismus in Deutschland.

Spanien. Viele Spanier glaubten mit Francisco Franco (1892-1975) in einen modernen Kreuzzug zu ziehen, gegen die Feinde des christlichen Abendlandes. Franco ließ von 10000 Zwangsarbeitern nahe Madrid ein 150m hohes Kreuz errichten. Das Christuskreuz als Symbol einer Diktatur. Bis zu Francos Ende ist die katholische Kirche Spaniens eine starke Stütze der faschistischen Macht.

  • Porträt Franco
  • Christuskreuz auf einer Bergkuppe

Deutschland 1938.

Hakenkreuzfahnen hängen an einem Gebäude

Hitler auf der Höhe seiner Macht. Seine Triumph-Fahrt durch Berlin nach dem sogenannten Anschluss Österreichs. Längst hatten die Machthaber mit Terror und Verfolgung begonnen.

Wissenschaftlicher Alltag in Deutschland.

Collage aus Buchtiteln

Theologische Schriften aus diesen Jahren: "Volk, Blut, Gott", "Blut und Rasse", "Rasse, Religion, Ethos"

Rom, Sommer 1938. Was sagte der Papst zum offensichtlichen Unrecht?

Gegen den Kommunismus hatte Papst Pius XI. schon 1931 öffentlich gesprochen. Sechs Jahre später hatte er eine deutliche Botschaft gegen den Nationalsozialismus verlesen lassen. Im Sommer 1938 beschloss er eine Erklärung gegen den Rassenwahn. Der amerikanische Jesuit John La Farge sollte das Dokument (Entwurf für eine Enzyklika) verfassen. Dessen Entwurf hat den Papst nie erreicht. Auf rätselhafte Weise ging er verloren.

Am 10. Februar 1939 starb Pius XI. Sein Nachfolger wurde Eugenio Pacelli, ein ehemaliger Chefdiplomat. Er nannte sich Pius XII. (1939-1958). Die Erklärung zur Judenverfolgung, der Entwurf der Enzyklika, verschwand in den Schubladen der Vatikanbürokratie. Hinter den politischen Kulissen hat der neue Papst in Geheimverhandlungen zehn-, vielleicht hunderttausenden von Verfolgten das Leben gerettet. Aber er schwieg.

  • Porträt Pius XII.

Das Lager Ausschwitz, errichtet von den deutschen Besatzern Polens im Frühjahr 1940. In Ausschwitz ermordeten die Schergen eines unmenschlichen Regimes 1 1/2 Millionen Menschen. Wegen ihrer Herkunft, ihres Glaubens, ihrer Lebensweise, ihrer Ideale. Ausschwitz war nur eines der vielen Lager, die Europa überzogen.

  • Menschen hinter Stacheldraht
  • Stacheldraht
  • Gefangene hinter Stacheldraht

Christen während des 2. Weltkriegs (1939-1945)

Sommer 1941. Deutsche Soldaten überfielen Russland. Man war in Siegerlaune. Seit Kriegsbeginn nur militärische Triumphe. Hitlers Erfolg überwältigte selbst die Regimegegner. Auch gläubige Christen hielten mit ihrer Kritik zurück. In Kriegszeiten, so glaubten sie, darf man seinem Land nicht in den Rücken fallen. Verhängnisvolle Ehrbegriffe. Wie weit war man jetzt von der christlichen Botschaft entfernt? Aber wie sollten Christen jetzt leben? Wer den Kriegsdienst verweigerte, wer nicht glauben wollte, dass Gott auf der Seite der Deutschen war, kam vor das Kriegsgericht. Der Weg in den sicheren Tod, nur wenige gingen ihn.

Personenkult in religiöser Dimension. Überall in Josef W. Stalins Reich (1879-1953) huldigten jubelnde Menschenmassen dem unfehlbaren Führer. Millionen von Menschen wurden unter seiner Herrschaft in die Lager gebracht und ermordet.

  • Parade für Stalin