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Inhalt der Sendung

Einleitung

Sie suchen den Seeweg nach Indien und finden einen neuen Kontinent. Sie könnten das Licht des Glaubens bringen, doch bevor sie das Evangelium verkünden, morden, rauben, plündern und zerstören sie die Kulturen der Menschen, die sie Indianer nennen.

  • Jesus-StatueIm 16.und 17. Jh. entstand eine ganz besondere Welt des Glaubens im Land der Entdecker, in Mittelamerika.
  • Christus-Statue mit Indio-Bewunderern in Antigua, Guatemala

    Ostern in Antigua, Guatemala.

  • Christus-Statue mit Indio-Bewunderern in Antigua, Guatemala

    Fast 90% der Bevölkerung sind noch rein indianisch.

  • Christus-Statue mit Indio-Bewunderern in Antigua, Guatemala

    Christus ist hier anfassbar.

Seit Beginn der indianischen Geschichte war dies hier die ganze Welt. Indianische Hochkulturen blühten und in Tempeln und Pyramiden wurden die Gottheiten verehrt.

  • Indianische Tempelanlage

Indianische Tempelanlage

Renaissance

Das Zeitalter der Renaissance läutete das Ende des Mittelalters ein und gab gleichzeitig das Startsignal für einen gewaltigen Aufbruch, der sämtliche gesellschaftlichen Bereiche erfasste. Eine neue Zeit brach an, und sie brachte grundlegende Veränderungen mit sich. Alte Weltbilder vergingen, neue entstanden. Die klassische Auffassung des Ptolemäus von der Scheibengestalt der Erde, für Jahrhunderte Grundlage des antiken und christlichen Weltbildes, war schon seit dem Spätmittelalter durch die Vorstellung von der Kugelform der Erde abgelöst. Die Welt wurde mit neuen Augen gesehen und mit verbesserten Instrumenten erkundet. Die spektakulären Entdeckungsfahrten wurden auch durch neue Entwicklungen im Schiffsbau ermöglicht.

Codex Telleriano-Remensis

So wie auf den ersten zwei Bildern stellten sich die Azteken ihre Götter vor. Ihr geschichtliches Gedächtnis reicht bis zur Zeit um das 12. Jh. zurück. Damals waren die Azteken ein unbedeutender Stamm von mehr primitiven Jägern, die als Nomaden lebten. Dann begannen sie, andere indianische Stämme zu unterdrücken. Schlachten wurden geschlagen, Tempel gebaut und Menschenopfer dargebracht, um mit dem Blut die gesunkene, geschwächte Sonne zum Wiederaufgehen zu bringen.

Menschenopfer dienten dazu, das Universum in Gang zu halten. Auf einmal fremde Wesen. Berge von Leichen und ein bärtiger Mann auf einer Art Thronsitz. Mit den spanischen Eroberern (Ende 15. Jh.) kamen Priester, die Fußspuren zeigen die Ankunft des ersten spanischen Bischoffs in Mexiko. Die Zwangsbekehrung begann und bewaffnete Reiter sorgten dafür, dass die Macht auf Seite des Glaubens blieb. Wer sich widersetzte endete am Galgen. Auf dem nächsten Bild sieht man einen aztekischen Krieger, der sich über einen Fluss hinweg gegen einen spanischen Eindringling verteidigte. Und als Letztes die Szene einer Taufe aus der Sicht der Azteken.

  • Seiten aus dem Codex

    Codex Telleriano-Remensis

  • Seiten aus dem Codex
  • Seiten aus dem Codex

Wie die Welt der Götter aussah wissen wir von dem indianischen Codex Telleriano-Remensis (Nationalbibliothek Paris). Der Codex ist so außerordentlich, weil er weit in die Zeit vor der spanischen Eroberung zurückreicht.

  • Codex Telleriano-Remensis: Berge von Leichen
  • Codex Telleriano-Remensis: Ankunft des ersten spanischen Bischoffs
  • Codex Telleriano-Remensis: bewaffnete Reiter
  • Codex Telleriano-Remensis: Mann am Galgen
  • Codex Telleriano-Remensis: Schlacht zwischen Azteken und Spaniern
  • Codex Telleriano-Remensis: Taufe

Entdeckungsfahrten

Die überlieferten Aufzeichnungen und Tagebücher geben nachhaltig Auskunft über die Beweggründe der spanischen und portugiesischen Seefahrer, die dem Westkurs des Kolumbus folgten: Ruhm, Reichtum und Abenteuer. Innerhalb von nur vier Jahrzehnten entdeckten und eroberten sie Mittel- und Südamerika. Welche Rolle spielte die Kirche dabei? Zunächst einmal sah sie ihre wichtigste Aufgabe in der Missionierung der riesigen Gebiete. Der neue Kontinent sollte zum christlichen Glauben bekehrt werden. Die Eroberung, Befriedung und Verwaltung der neuen Länder überließ sie den Konquisatoren, getreu dem Grundsatz: "Die Seelen für Gott, das Land dem König"! Die Missionsarbeit der Bettelorden, der Franziskaner und Dominikaner, wurde allerdings durch materielle Interessen der Eroberer stark behindert.

1492 brach Christoph Kolumbus von Spanien aus auf, um auf dem Seeweg Indien zu erreichen. Westlich segelnd stieß er aber auf eine Gruppe von Inseln, die Bahamas, und später entdeckte er alle wichtigen Inseln der Karibik, Kuba, Haiti und dann Mittelamerika

Realität in Mittelamerika - Aufeinanderprallen verschiedener Kulturen und Bewusstseinsstufen

Bartolomé de las Casas Bartolomé de las Casas wurde zum Vorkämpfer für die Rechte der Indianer. Er sucht einen Seeweg nach Indien und findet eine "neue Welt". Mit der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus wird die Erde endgültig zur Kugel. Spanische und portugiesische Abenteurer überfallen und versklaven die Völker Mittel- und Südamerikas. Millionen Indios gehen an Krankheit und Erschöpfung zugrunde. So erscheint ihnen das Christentum als die Religion der Eroberer. Sie nehmen es unter Zwang nur oberflächlich an und halten insgeheim an ihren alten Göttern und Bräuchen fest. Aus dem christlichen Lager wenden sich nur wenige Stimmen gegen den Völkermord. Bartolomé de las Casas wird zum glühenden Anwalt der Unterdrückten und Verfolgten. Um die Indios vor den Sklavenhändlern zu schützen, ziehen sich die Missionare mit ihnen in entlegene Reservate zurück. Im "Jesuitenstaat" von Paraguay versuchen die Patres, eine christlich-utopische Gesellschaft einzurichten, wo sich der Einzelne im Schutz der Gemeinschaft entfalten kann und dabei Verantwortung für die Allgemeinheit übernimmt. Das "heilige Experiment" scheitert nach 150 Jahren mit der Vertreibung der Jesuiten. Die Indios fallen ins Elend zurück.

Auch Asien und Afrika werden im 16. Jahrhundert Zielgebiete christlicher Missionare. Hier stoßen sie auf mächtige und selbstbewusste Kulturen, die von den Vorzügen des Christentums nur schwer zu überzeugen sind. Versuche einzelner Missionare, sich den einheimischen Traditionen anzupassen, haben im Land Erfolg, scheitern aber am römischen Zentralismus, der keine Anpassung dulden will. 1620 landet die "Mayflower" der Pilgerväter an der Ostküste Nordamerikas. Der Kontinent bekommt eine calvinistische Prägung und wird zum gelobten Land für Einwanderer aus Europa. Zahlreiche protestantische Gruppierungen verästeln sich immer weiter und üben zumeist friedliche Koexistenz.

  • Portrait von Bartolomé de las CasasBartolomé de las Casas wurde zum Vorkämpfer für die Rechte der Indianer.

Der Ort San Andres Itzapa, Guatemala: Die Kapelle San Simon ist Ziel vieler Pilgerfahrten. Hier geht merkwürdiges vor, etwas was man nicht bei einem Heiligen (San Simon) der katholischen Kirche erwarten würde. Indianische Frauen, die rituell Tabak rauchen. Die Votivtafeln ringsum an den Wänden danken dem heiligen Simon für seine Wundertaten. In Wirklichkeit ist der Heilige eine indianische Gottheit, die hier verehrt wird. Eine indianische Wächterin des Tempels vollzieht Rituale der Reinigung an Frauen aus dem hispanisierten Teil der Bevölkerung.

  • Tabak rauchende Frauen
  • Motivtafeln mit religiösen Sprüchen
  • Bei einer rituellen Reinigung wird eine Frau mit Kräutern abgerieben.

"Befreiungstheologie" in Mittelamerika

Die Unterdrückung durch Militärregimes hat in vielen Ländern Lateinamerikas zur Entwicklung der sogenannten "Befreiungstheologie" geführt. In den 60er Jahren des 20. Jh. hat sich ein Teil der Kirche auf die Seite der Armen und Unterdrückten in Lateinamerika gestellt - ganz im Geiste des Bartholomé de las Casas. Die Ideen für die neu enstandene "Befreiungstheologie" reifen in vielen Basisgemeinden heran. Ihe Nährboden ist das Bewusstsein, dass Massenelend und Ausbeutung "eine zynische Beleidigung Gottes" darstellen. Ziele sind die Deutung des christlichen Glaubens aus der Sicht der Armen und Benachteiligten sowie eine neue Praxis des Christentums, die den befreienden Charakter des Evangeliums betont.

In der Bibliothek der Medicis in Florenz wird der Codex Florentino aufbewahrt. Um 1550 begannen weitsichtige spanische Mönche, Aussagen von Azteken über ihre versinkende Kultur zu sammeln. Sie sind die wichtigste Quelle für unser Wissen über eine Zivilisation, die zu dem Zeitpunkt schon zerstört war.

  • Codex Florentino: Landung der Spanier

    Codex Florentino

  • Codex Florentino
  • Codex Florentino: Seeschlacht

Codex Florentino

Hier dargestellt ist der letzte Teil, die Geschichte der Eroberung Mexikos: Noch nie hatte man Segelschiffe gesehen. Von ihnen aus gingen bleiche bärtige Männer und Pferde an der Küste Mexikos an Land. Es muss für die Indianer gewirkt haben als seien Außerirdische gelandet. Ihr Anführer war Hernan Cortéz (links sitzend). Eine aztekische Delegation überreichte ihm das Symbol des Sonnengottes, aber Cortez beantwortete das Geschenk mit einer vorbedachten Scheußlichkeit. Er lies eine noch nie gesehene Waffe abfeuern, deren Blitz und Donner die Azteken so erschreckte, dass sie ohnmächtig niedersanken. Zu den fürchterlichen Waffen gehörten Kanonen. Indianische Hilfstruppen mussten sie über Land wuchten. Das Gemetzel an der indianischen Bevölkerung begann praktisch vom ersten Tag an. Nur etwa 400 spanische Eroberer machten ganze aztekische Armeen nieder, hackten die Menschen in Stücke. Priester wurden von ihren Pyramiden hinuntergestürzt. Und dann brachten die Spanier den Tod in Form von unbekannten Krankheiten mit sich. Die Pocken töteten fast 1/3 der gesamten Bevölkerung. Gegen einen so geschwächten Feind traten die Spanier die Belagerung der Inselhauptstadt an. Monatelang schossen Kanonen von Schiffen aus die Gebäude zu Trümmern. Der Endkampf zeigt die Atzteken in heroischer aber hoffnungsloser Gegenwehr. Ihre Hauptstadt fiel im August 1521.

  • Codex Florentino-Zeichnung zeigt spanische Reiter in Rüstung und indianische Hilfstruppen, die Waffen bewegen
  • Codex Florentino: Spanische Truppen metzeln Indianer nieder
  • Codex Florentino: Spanier zerhacken Indianer
  • Codes Florentino: Spanier stoßen Priester von ihren Pyramiden
  • Codes Florentino: Indianer werden von Pocken dahingerafft
  • Codes Florentino: Kanonenschiffe schießen die Haupstadt in Trümmer

Bartolomé de las Casas (1474-1566)

Nur eine spanische Stimme hatte sich gegen den alles umfassenden Mord erhoben: Bartolomé de las Casas. Anfangs war er unmittelbar an den "Schrecken der Verwüstung", wie er selbst später formulierte, beteiligt. Doch angesichts der gewaltsamen Verheerung und der schrankenlosen Brutalität der Eroberer änderten sich sein Leben und seine Ansichten radikal: Er wurde zum Vorkämpfer für die Rechte der Indianer. In seinem Buch von der Verwüstung der indianischen Länder geißelte er den Völkermord. Als Einziger stellte er sich gegen die Zwangsbekehrung und forderte elementare Menschenrechte für die Indianer. Aber niemand hörte damals auf ihn. So wurde der katholische Glaube der Bevölkerung der Neuen Welt aufgezwungen.

Gemälde: Spanier metzeln Bevölkerung der Bahamas nieder

Bei Ankunft der Spanier bevölkerten etwa eine halbe Million Menschen die Bahamas. Die Ausrottung war so vollständig, dass knapp eine Generation später ein spanisches Schiff drei Jahre lang nach Überlebenden suchte: es waren noch ganze elf.

Jesuitenreduktionen

Die Jesuitenmissionare, ab 1566 auf dem amerikanischen Kontinent tätig, entwickelten einen ganz eigenen Missionsstil. Durch die Einrichtung von sogenannten "Reduktionen" versuchten die Jesuiten, Unterdrückung und Ausbeutung schon im Ansatz zu verhindern. Die Reduktionen waren geschlossene Schutzgebiete, zu denen nur die Indianer und Jesuiten Zutritt hatten. Im Mittelpunkt einer solchen Siedlung stand die Kirche, umgeben von Schule, Werkstätten, Lagerräumen und Friedhof. Jede Familie besaß ein kleines Haus. Grund und Boden waren allgemeiner oder auch Privatbesitz der Indianer, die erwirtschafteten Produkte kamen allen zugute; nur ein geringer Teil musste als Steuern an die spanische Krone abgetreten werden. Die Indianer erhielten zudem Unterweisung in der christlichen Lehre. Um das wirtschaftliche Überleben der Reduktionen zu sichern, wurden die Indianer zum regelmäßigen Arbeiten angehalten. Dabei stoßen die Jesuiten allerdings auf wenig Gegenliebe. Den Indios war jegliches Gewinnstreben fremd; es wurde nur soviel produziert, wie zum Leben von der Hand in den Mund benötigt wurde. 1767 wurden die Jesuiten aus ganz Lateinamerika vertrieben.