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Kathedralen, die den Himmel berühren - Lobpreis der Größe Gottes oder menschlicher Hochmut? Das christliche Mittelalter ist die Zeit der Pilger, Mönche und Heiligen, aber auch die Epoche der Kreuzfahrer und Ketzerjäger.
In den Jahrhunderten zuvor war der Baumeister anonym geblieben. In der Epoche der Gotik wurde er hoch geschätzt, denn er gestaltete den Himmel auf Erden.
Spezialisten aus dem ganzen christlichen Abendland siedelten sich in der Umgebung der Baustelle an.
Die Kühnheit dieser Architekten erforderte neue Konstruktionstechniken.
Nach dem Tod Karls des Großen zerfällt das karolingische Reich. Die regionalen Teilgewalten treten wieder hervor. Das nützliche Bündnis zwischen Papst und Kaiser steht auf schwachen Füßen. Auch die Spannungen zwischen Rom und Konstantinopel verschärfen sich. Sie führen 1054 zur Spaltung der Christenheit. Die slawischen Völker entscheiden sich für die orthodoxe Variante. In Deutschland stabilisiert sich die Lage. Otto I. setzt auf die Bischöfe und gibt ihnen eine wichtige machtpolitische Rolle. Im "christlichen Abendland" gilt das irdische Dasein als Vorspiel für das himmlische. Die Künste setzen eindrucksvolle Zeichen des Glaubens und der kirchlichen Macht. Vom burgundischen Kloster Cluny gehen starke Impulse aus zur Reform kirchlicher Missstände. Auch der Einfluss weltlicher Gewalten auf die Kirche soll beseitigt werden. Das führt zu einem dramatischen Konflikt zwischen Kaiser und Papst. Auf dem Höhepunkt muss König Heinrich IV. als Büßer nach Canossa gehen, um sich vom Bann zu lösen und seine Krone zu retten.
1095 ruft Papst Urban II. die europäische Ritterschaft auf, das Heilige Land vom Islam zu befreien. Die Kreuzzüge werden eine verlustreiche Massenbewegung. Das Christentum ist zur Monopolreligion geworden. Alles, was die Einheit dieses religiös-politischen Kosmos zu stören scheint, wird als massive Bedrohung der Weltordnung empfunden und mit immer härteren Mitteln bekämpft. Das bekommen Abweichler wie die Katharer, Albigenser und Waldenser zu spüren. In den Städten entsteht eine neue Universität als "Weltmacht". Das grandiose theologische Denk- und Lehrgebäude der Scholastik, der mittelalterlichen Philosophie, versucht Glaube und Vernunft zu vereinen. Während Papst und Kaiser ihren Machtkampf in immer neuen Runden ausfechten, gründen Franz von Assisi und Dominikus neuartige Bettel- und Wanderorden, die sich dem biblischen Armutsideal verpflichten.
Papst Gregor VII wollte 1075 einen Schlussstrich ziehen unter die jahrhundertelang schwelende Frage, wer oberster Herrscher auf Erden sei. Gregor entschied, dass der Papst höchster Gesetzgeber sei und dass ihm auch das Recht zur Einsetzung des Kaisers zustehe. Auch der Kaiser müsse sich unterordnen. Folge der Absetzung König Heinrichs IV: der Gang nach Canossa. Ein Gang, der sprichwörtlich geworden ist für einen Herrscher der zu Kreuze kriechen musste. Nie ging der politische Machtanspruch der Päpste weiter als in dieser Epoche.
In den Augen vieler Zeitgenossen hatte sich die Kirche weit entfernt von ihrer ursprünglichen Idee. Längst hatte sie sich eingelassen mit der weltlichen Macht und den Schätzen des Diesseits. Das war aber nur die eine Seite. Das christliche Ideal von Demut und Armut lebte woanders weiter: im Kloster.
In Cluny, Frankreich, stand im Mittelalter das größte Kloster des christlichen Abendlandes. Vom Kloster Cluny ging eine der größten Erneuerungsbewegungen der Kirche aus, streng orientiert am Armutsideal und an der Frömmigkeit. Die Cluny-Kirchenreform hatte die festgefügten Machtstrukturen des christlichen Europa aufgebrochen. Über 1000 Klöster schlossen sich der Bewegung an. Weltliche Macht dürfe keinen Einfluss auf die Kirche haben.
Das Kloster Cluny
Cordoba wurde im 8.Jh. die Hauptstadt des Kalifen. Die islamischen Reitervölker brachten den Islam nach Spanien. Christliche und arabische Tradition vermischte sich. Mit den Arabern kamen neue kulturelle Impulse. Spanien wurde ein Umschlagplatz des Wissens. Seine Bibliotheken enthielten medizinische, mathematische und astronomische Meisterwerke und verlorengeglaubte Schriften der antiken Philosophen. Die Schriften wurden übersetzt. Als im 9.Jh. die deutschen Könige begannen Spanien zurückzuerobern, kam es zu einer kulturellen Katastrophe. Die Bibliotheken brannten. Das fruchtbare Nebeneinander der Kulturen ging in Feuer und Rauch auf.
Im Jahr 1095 hatte der Papst Urban II dazu aufgerufen, die heilige Stadt zu befreien. Allein drei Jahre hatten französische und normannische Truppen gebraucht, um Jerusalem zu erreichen. Aus dem vielumjubelten Unternehmen war eine Höllenfahrt geworden. Die fromme Reise zum endlosen Gemetzel.
Papst Urban II
Nicht anders als heute bestand schon vor 1000 Jahren ein hochsensibles Nebeneinander von drei Religionen: Islam, Judentum und Christentum. Toleranz herrschte im arabischen Jerusalem.
