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Die Folge der Reformation sind 100 Jahre Krieg. Unter dem Vorwand konfessioneller Auseinandersetzung wird die Landkarte Europas neu aufgeteilt. Der Gegenreformation erwächst in Gestalt der Jesuiten eine vitale Kraft, und mit den Jesuiten kommt der Barock.
16. und 17. Jh.: Teatro Mundi, ein Welttheater. Eine Zeit zwischen Hexenwahn und Wissenschaft, zwischen Lebensfreude und Todesangst. Der Barock ist eine Zeit der Kriege, der Orientierungslosigkeit, des Hin- und Hergerissenseins zwischen alten Vorstellungen des Mittelalters und Vernunft einer beginnenden Neuzeit. Des Kampfes zwischen Katholizismus und Protestantismus.
Das deutsche Reich existierte nur dem Namen nach als politische Einheit. Frankreich und Spanien waren die Großmächte der Zeit, die mit Kriegen ihre Einflusssphären absteckten. Deutschland, zersplittert in eine Vielzahl katholischer und protestantischer Fürstentümer spielte in diesem Machtpoker keine große Rolle. England dagegen gewann immer mehr an Bedeutung.
Konfessionell unterschied sich England von allen anderen europäischen Staaten. Der Papst hatte sich geweigert, die Ehe von Heinrich VIII. zu annulieren. Kurzerhand setzte sich der König selbst als Oberhaupt der englischen Kirche ein. England spaltete sich von Rom ab. Frankreich versuchte sich gegen die immer mächtigeren Nachbarn zu behaupten. Spanien und Portugal gelangten in Übersee zu Reichtum und Macht. Spaniens Könige: die Habsburger. Sie waren mit den deutschen Kaisern verwandt. Eine katholische Macht, deren Einfluss bis nach Deutschland reichte. Das geistige Zentrum der katholischen Welt war nach wie vor Rom.
Anfang des 17. Jhs. wurde nach jahrzehnterlanger Bauzeit die Peterskirche eingeweiht. Wie kein anderes Gebäude symbolisierte sie Selbstbewusstsein und Machtanspruch der Päpste. Dabei hatten die Päpste dieser Epoche ihre politische Bedeutung längst eingebüßt. Noch aber erhoben sie den Anspruch auf die einzige wahre Auslegung der christlichen Lehre und noch floss viel Geld in die Taschen der Päpste.
Roms barockes Gesicht wurde vor allem von Papst Urban VIII (1623-1644) geprägt. Ein genialer Künstler half ihm dabei: Gian Lorenzo Bernini (1598-1680), ein Multitalent. Bildhauer, Architekt, Maler und Zeichner. Die Verehrung Gottes mit den Mitteln der Kunst.
Bestimmendes Thema der Zusammenkunft war die drohende Kirchenspaltung, der Bruch zwischen Katholiken und Protestanten. Die Reform der Kirche sollte vorangetrieben werden. Aber die Protestanten erschienen erst gar nicht. Für sie war die Kluft zur Papstkirche unüberbrückbar. Was 1545 hier begann, hat nur noch die Zukunft des Katholizismus bestimmt. Viele Jahre lang tagten die Kirchenfürsten unter Leitung des Papstes. Aber auch das Konzil vermochte die christliche Welt nicht wieder zu einen. Stattdessen organisierte die katholische Welt ihren Kampf gegen die Protestanten: Die Gegenreformation. Heute liegen die Konzilsdaten im vatikanischen Archiv: Dokumente berichten von umfassenden Maßnahmen zur Reform der Kirche: bessere Ausbildung der Geistlichen, neue Missionsstrategien und die Bekämpfung von Korruption.
Zur großen Kraft der Gegenreformation wurde ein Mann aus Spanien: Ignatius von Loyola. Er beeinflusste die ganze Entwicklung der katholischen Kirche. Aus einem weltlichen Krieger wurde ein Diener des Glaubens. In Nordspanien hatte er die entscheidende Vision: 'Er will eine Organisation gründen, die sich ganz der Reformation der Kirche widmet. Die Soldaten Gottes sollen dem Papst zu Hilfe eilen, auch im Kampf gegen die Protestanten.' Das feierliche Gelöbnis auf dem Montmartre 1534 begründete die 'Gesellschaft Jesu': Eine heilige Armee. Ihre Waffen waren tiefer Glaube, hohe Bildung, militärischer Gehorsam: Die Jesuiten. Überall gewannen sie schnell Einfluss. 1540 bestätigt der Papst offiziell den Orden. Im Kampf gegen den Protestantismus wurde die 'Gesellschaft Jesu' zur schärfsten Waffe der Gegenreformation.
Die Exerzitien, geistliche Übungen zur Stärkung des Willens, von Ignatius selbst geschrieben. Macht durch Wissen. Die Jesuiten legen Wert auf wissenschaftliche Ausbildung. Mit klarem Verstand und guten Argumenten wollen sie überzeugen.
Der große Reformstau bringt viele Reformationen hervor. Sie verbinden sich mit den regionalen Bestrebungen nach Unabhängigkeit. Das Konzil von Trient kann die Kirchenspaltung nicht mehr verhindern, es modernisiert jedoch die Innenwelt des Katholizismus. Neuartige Orden wie die "Gesellschaft Jesu" des spanischen Ritters Ignatius von Loyola werden zur Elitetruppe der Gegenreformation. Während der Augsburger Religionsfrieden in Deutschland eine gespannte Ruhe erzeugt, toben in Frankreich die grausamen Hugenottenkriege. In England führen die Eheprobleme Heinrichs VIII. zur Trennung von Rom. Eine düstere Rolle spielt das reiche und mächtige Spanien. Philipp II. setzt alle Mittel ein, um die mittelalterliche Einheit von Macht und Glaube zu rekonstruieren. Die Inquisition führt einen Vernichtungskampf gegen jeden freien Gedanken. Als sich die niederländischen Provinzen dem Calvinismus öffnen, antwortet Philipp mit beispiellosem Terror. Der Freiheitskampf der Niederlande wird zum Vorbild aller künftigen Freiheitsbewegungen in Europa.
Auch in Deutschland sprechen 1618 wieder die Waffen. Der Dreißigjährige Krieg wird zur größten Katastrophe Europas seit der Pest. Erst der Erschöpfungsfriede von Münster bringt die konfessionelle Landkarte Europas zur Ruhe. Mit verschwenderischem Pomp inszenieren die Landesherren ihre absolutistische Macht. Hinter der Fassade triumphiert noch immer der Aberglaube. Die Epidemie des Hexenwahns erreicht ihren Höhepunkt. Unzählige Frauen sterben auf dem Scheiterhaufen. Nur wenige Zeitgenossen finden den Mut, gegen den Wahnsinn aufzustehen. Die Kultur des Barock schwankt zwischen rauschhafter Sinnenfreude und düsterer Todesnähe. In Leipzig schreibt der Thomaskantor Johann Sebastian Bach seine Kantaten und Passionen, in denen sich die Nöte und Hoffnungen des ganzen Zeitalters verdichten und für immer gültigen Ausdruck finden.
Michaeliskirche, Hamburg, protestantischer Barock. Das Wort der Bibel und seine Auslegung durch den Pastor bildeten jetzt den Mittelpunkt des Gottesdienstes. Die Kanzel rückte ins Zentrum des Gotteshauses. Anstelle von ausladendem Stuck und Blattgold rückte in den protestantischen Kirchen eine neue Kunst in den Vordergrund: die Musik. Johann Sebastian Bach war der geniale Komponist protestantischer geistlicher Werke.
In der Epoche des Barock drang der Protestantismus über die Grenzen Europas hinaus. Anfang des 17. Jhs. setzte eine Auswanderungswelle nach Nordamerika ein.
Vor allem für die Menschen auf dem Land vermischten sich Glaube und Aberglaube zu einer bizarren Volksreligion. Die Natur war beseelt von übernatürlichen Kräften, denen man sich hilflos ausgeliefert sah. Überall in den Wohnungen der Bauern befanden sich Gegenstände, denen man magische Kräfte zutraute. Auch die katholischen Heiligenfiguren gehörten dazu.
Der Zeitgeist fand seinen Ausdruck in Gestalt eines geheimnisvollen Mannes: Nostradamus (1503-1566). Er las aus den Sternen die Zeichen einer kommenden Apokalypse. Michel de Notredame experimentierte mit Pflanzensäften und suchte nach dem Stein der Weisen. Ein typischer Gelehrter seiner Zeit, zwischen methodischer Erkenntnis und magischer Beschwörung.
Eine halbe Million Hugenotten (französische Protestanten) flüchteten nach Holland. Die Niederlande hatten sich von ihren spanischen Besatzern befreit und sich zu einem toleranten Zufluchtsort entwickelt. Die friedliche Koexistenz von Protestanten, Katholiken und Freidenkern machte die Niederlande zu einem Land großer Geister.
Toleranz war im Zeitalter des Barock eine Ausnahme. In Deutschland fielen protestantische und katholische Fürsten übereinander her. Hinter dem religiösen Konflikt standen auch handfeste politische Motive. Die deutschen Fürsten fürchteten die wachsende Macht des Kaisers. Der fand in Wallenstein einen großen Feldherrn. Das Schlachten um Land, Macht und Glauben erhielt eine neue Dimension des Schreckens. Der 30-jährige Krieg stellte alles in den Schatten, was bis dahin an Katastrophen über Europa hereingebrochen war. Rund 7 Mio. Menschen fanden den Tod. Hunderttausende verliesen Haus und Hof aus Angst vor mordenden Soldaten. Am Ende gab es nur einen Frieden aus Erschöpfung aller Parteien.
Im Jahr 1648 versammelten sich die Unterhändler der Kriegsparteien. Im Friedensvertrag wurde der Protestantismus anerkannt, auch in seiner calvinistischen Ausprägung, aber es galt weiter die Devise: "Cuius regio, eius religio" ("Wessen Land, dessen Religion."). Der Landesfürst bestimmte die Konfession seiner Untertanen.
Europa nach dem 30-jährigen Krieg. Während die Mittelmeerstaaten katholisch blieben, bekannte sich ganz Nordeuropa zum Protestantismus. England behielt seine Sonderstellung.
In Frankreich entwickelte sich in dieser Epoche ein Königtum, dessen Pracht alle Fürsten Europas in den Schatten stellte. Sein Inbegriff: Versaille. Nichts und niemand außer Gott stand über dem König. "Der Staat bin ich" soll Sonnenkönig Ludwig XIV. gesagt haben. Das absolute Königtum herrschte natürlich auch absolut in Fragen der Religion: "Ein König, ein Gesetz, ein Glaube", die politische Gleichung Ludwigs. Er hob die Religionsfreiheit der französischen Protestanten auf.
Während auf den Schlachtfeldern Europas Hunderttausende starben, entstanden neue Wissenschaften. Die Astronomie erweiterte den geistigen Horizont. Das alte Weltbild wankte. Mathematik und Geometrie schafften Ordnung im Chaos. Aber noch immer war alle Wissenschaft heiliges Experiment und Verherrlichung des Werkes Gottes.
