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Über dem antiken Rom geht die Sonne unter. Barbaren plündern das Zentrum der Welt. Iroschottische Mönche tragen den Glauben zu germanischen Völkern. Am Horizont taucht die Weltmacht Islam auf. Politik und Kirche gehen immer prekärere Verbindungen ein. Rom und Byzanz driften auseinander.
Im 5.Jh. n. Chr. weckte Rom, die einst so mächtige Hauptstadt des antiken Imperiums, Eroberungsgelüste. Es waren germanische Stämme, die die Stadt eroberten: Im Jahre 410 die Westgoten, 50 Jahre später die Vandalen.
Wie die Römer bekannten sich zu dieser Zeit auch Goten und Vandalen zum Christentum. Aber mit einem Unterschied. Die germanischen Völker glaubten nicht an die Göttlichkeit Christi. Sie verehrten Christus als einen Menschen, Gott ähnlich, nicht einem Gott gleich. Im 5.Jh. erreichte die Ära der Völkerwanderung ihren ersten Höhepunkt. Durch den Expansionsdrang der Hunnen nach Westen wurden die christlich-germanischen Stammesgruppen bis zu den Grenzen des römischen Imperiums verdrängt.
Ungeklärt war im 5.Jh. die Frage, wo sich der Nabel des Christentums befinden sollte. Konstantinopel wurde vom Kaiser favorisiert. Daneben erhoben aber andere Metropolen Ansprüche: Alexandria, Jerusalem, Antiochia und Rom. Zu dieser Zeit war der Kaiser oberster Herr des Reiches und auch der Kirche. Staats- und Kirchenführung lagen in einer Hand. Aber der römische Bischof war nicht gewillt, sich dem Kaiser zu beugen. Er konnte auf eine lange Tradition verweisen, die ihn unter allen anderen Bischöfen auszeichnete: Nur er ist der Nachfolger Petri (Papa Petrus ipse - der Papst ist Petrus selbst). Das Selbstverständnis der Päpste gründete sich auf einen Satz im Matthäusevangelium: "Du bist Petrus und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen."
Die neue blühende Metropole des römischen Reichs hieß Konstantinopel, das heutige Istanbul. Hier residierten seit Kaiser Konstantin die oströmischen Imperatoren und sicherten mit harten Gesetzen ihre Macht. Die prächtigen Mosaiken in der Hagia Sophia zeugen noch heute von der Vermischung christlicher Motive und weltlicher Macht. Christus als Weltenherrscher.
Germanische Völker überrennen die Grenzen des Römischen Reiches. Dabei übernehmen sie das Christentum. Im Osten wird die Kirche mehr und mehr "Reichskirche" unter der Kontrolle des Kaisers. Im Westen gewinnt der Bischof von Rom eine Vorrangstellung. Mit wachsendem Selbstbewusstsein fordert er die oberste Gewalt der Lehre und Rechtsprechung in der Kirche. Damit vertieft sich der Gegensatz zwischen Ost und West. Auf dem Monte Cassino gründet Benedikt von Nursia ein Kloster. Mit Gebet und Arbeit sollen die Mönche den Tag verbringen. Die Idee macht Schule. Benediktinerklöster werden die wichtigsten Kulturträger des Abendlandes. Zu Anfang des 7. Jahrhunderts taucht aus dem arabischen Raum eine neue Religion auf: der Islam. Auch er versteht sich als Offenbarung des einen Gottes und entwickelt einen enormen Expansionsdruck. In kürzester Zeit erobert der Islam den vorderen Orient, den Balkan und dringt über Afrika bis Spanien vor. Erst die Franken können ihn aufhalten. Sie haben in West- und Mitteleuropa ein stabiles Reich etabliert und nehmen das römische Christentum an. In enger Verbindung mit dem Papst organisiert der angelsächsische Mönch Bonifatius die fränkische Kirche. Als der Karolinger Pippin nach der Königsmacht greift, leistet ihm der Papst wichtige Schützenhilfe. Dafür übernimmt der König den Schutz und das Wächteramt über die Kirche. Sein Nachfolger Karl führt zahlreiche Eroberungskriege gegen die germanischen Stämme und unterwirft sie dem Christentum. Am Weihnachtsabend des Jahres 800 lässt er sich in Rom von Papst Leo III. zum Kaiser krönen, ein Schritt von welthistorischer Bedeutung. Die Wiederbelebung des römischen Kaisertums symbolisiert den Fortbestand des antiken Imperiums. Mit dem Pakt zwischen geistlicher und weltlicher Macht entsteht ein problematisches Wechselspiel der Interessen, das in den nächsten Jahrhunderten für Spannung sorgt.
Papst Symmachus trat energisch für die Gewaltenteilung ein. Zum ersten Mal wurde unterschieden zwischen dem Regiment über die irdischen und über die himmlischen Dinge. Die Trennung der Gewalten hat für das ganze Mittelalter Zündstoff geliefert. Die Fronten zwischen den Päpsten und den oströmischen Kaisern verhärteten sich immer mehr. Auch der Bilderstreit war ein Beispiel für die unversöhnliche Position. Der Streit ging um die Legitimation biblischer Darstellungen im Bereich der Kirche.
Bilderstreit zwischen römischem Weltreich und Ostkirche. In der Bibel steht geschrieben: "Du sollst dir kein Bildnis machen." Kaiser Leo III befahl, alle Bilder aus den Kirchen zu entfernen. Nur das schlichte Kreuz war noch erlaubt. Papst Gregor II vertrat die Meinung, die Bilder dienten nicht der Anbetung, sondern der Belehrung.
Biblia Pauperum: Eine gemalte Bibel für die Armen. Illustrationen biblischer Geschichten für Analphabeten. Der Isenheimer Altar von Matthias Grünewald (entstand zw. 1510 und 1516) war der Höhepunkt dieser Entwicklung.
Unter dem starken Einfluss monotheistischer, christlicher Sekten hatte im Jahr 610 der Kaufmann Muhammad ibn Abdalla auf dem Berg Hira bei Mekka sein religiöses Berufungserlebnis. Basis dieser Lehre ist ein strenger Monotheismus mit wenigen ethischen und rituellen Geboten. Die neue Lehre hatte große Auswirkungen auf die politischen und gesellschaftlichen Bereiche Arabiens und sehr schnell waren die Muslime, Muhammads wachsende Anhängerschar, auf dem Weg zu einem religiös fundierten Staatswesen.
Die Muslime riefen auf zum "Heiligen Krieg", zum Kampf gegen die Ungläubigen. Von Arabien aus trat die neue Religion ihren unaufhaltsamen Siegeszug an. Sie erfasste weite Teile des alten römischen Ostreiches und breitete sich über Ägypten in ganz Nordafrika aus, dann weiter über die Straße von Gibraltar bis nach Spanien.
Nasritenherrscher, die sich auf Wandmalereien in der Alhambra, Granada, Spanien verewigen ließen.
Karl Martell war es gelungen, den Expansionsdrang des Islam zu brechen (732 n. Chr.: Schlacht bei Tours und Poitiers).
Unberührt von den Stürmen der Zeit entwickelte sich christliches Leben und Spiritualität vor allem in den Klöstern. Sie waren in dieser Epoche die eigentlichen Träger der christlichen Kultur.
Etwa 50.000 Bücher wurden zur Regierungszeit Karls des Großen kopiert. Damit war ein Vorrat geschaffen, der dem lateinischen Christentum in Fragen der Theologie und der kanonischen Gesetze für lange Zeit die kulturelle Autonomie sicherte.
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