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Zwischen Aufklärung und Revolution wird ein Christentum zerrieben, das seine kritische Würze verloren hat und dessen Vertreter sich mit den Mächtigen arrangiert haben. Priester und Ordensleute werden zum Schafott geführt, das Volk soll die Vernunft anbeten.
Anfang des 18. Jh. velor der blutige Konflikt zwischen Protestanten und Katholiken an Schärfe. Religion und Kirche traten langsam zurück zugunsten einer weltlich orientierten Kultur, die sich von jeder Bevormundung frei machen wollte. Ende des 18. Jh. erhoben sich die Aufgeklärten und Liberalen gegen die alten Autoritäten von König und Kirche.
Der Umsturz hatte die Gesellschaft auf den Kopf gestellt. Das Volk verlor allen Respekt vor den Königen, die nun nicht mehr "von Gottes Gnaden" waren. Ihre Sarkophage wurden aus den Gewölben der Kathedrale St. Denis bei Paris gerissen, ihre Gebeine zerschlagen. Kirchen wurden gebrandschatzt, die zerstörten Mauern als Baumaterial davongeschleppt, Rache an Priestern und Bischöfen geübt, die als Weggefährten der Mächtigen galten.
Die Revolution hatte ihre eigenen, blutigen Gesetze. Auf ihrem Höhepunkt wurden hunderte von Klerikern aufs Schafott geschleppt.
Als 17-Jähriger machte er sich von Fréjus aus auf den Weg nach Paris. Ihm ging es wie tausend anderen aus kinderreichen Familien: harte Erziehung zwischen Armut und Entbehrung, keinerlei Aussicht auf ein noch so bescheidenes Erbe. Von der Provinzstadt führte der Weg direkt ins Priesterseminar nach Paris. Sieyès erlebte seine geistliche Erziehung als Schock. Er entwickelte schnell den Blick für die gesellschaftlichen Missstände seiner Zeit und suchte nach Vorbildern. Heimlich vertiefte er sich in die Schriften der Aufklärer wie Diderot und Rousseau.
Der Besuch des Seminars sicherte verarmten Bürgersöhnen die Existenz. Die Kirche als Versorgungsinstitution. Die Alternative zur Geistlichkeit war die Armee: "Le Rouge où le Noir" (der rote Soldatenrock oder die schwarze Sultane des Priesters). Diese beide Möglichkeiten hatte ein begabter Bürgersohn damals.
Denis Diderot (1713-1784) lehnte jeden Glauben jenseits der Vernunft als Aberglauben ab und war atheistisch geprägt. Ein heftiger Kritiker der katholischen Kirche. Jean Jacques Rousseau (1712-1778) wandte sich gegen religiöse Dogmen.
Sieyès, zum Priester geweiht, wurde Generalvikar der Diözese von Chartre. Als es zur Berufung der Stände kam, wurde er zum Vertreter des Klerus in der Provinzialversammlung ernannt. Die Brücke von Kirchenamt zur Politik war geschlagen. Immer mehr nahm er die gesellschaftlichen Realitäten wahr. "Wie kann der einzelne Mensch sein Recht, das ihm Staat und Kirche vorenthalten, für sich wieder erkämpfen?" so fragte er offen. Und "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Sind das nicht christliche Prinzipien?". Im Revolutionsjahr 1789 machte sich der Geistliche zum Anwalt der Unterdrückten. "Was ist der 3. Stand", so fragte er provozierend. (Emanuel Joseph Sieyès - nach der Revolution)
Sieyès, zum Priester geweiht, wurde Generalvikar der Diözese von Chartre. Als es zur Berufung der Stände kam, wurde er zum Vertreter des Klerus in der Provinzialversammlung ernannt. Die Brücke von Kirchenamt zur Politik war geschlagen. Immer mehr nahm er die gesellschaftlichen Realitäten wahr. "Wie kann der einzelne Mensch sein Recht, das ihm Staat und Kirche vorenthalten, für sich wieder erkämpfen?" so fragte er offen. Und "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Sind das nicht christliche Prinzipien?". Im Revolutionsjahr 1789 machte sich der Geistliche zum Anwalt der Unterdrückten. "Was ist der 3. Stand", so fragte er provozierend. (Emanuel Joseph Sieyès - nach der Revolution)
Sieyès, zum Priester geweiht, wurde Generalvikar der Diözese von Chartre. Als es zur Berufung der Stände kam, wurde er zum Vertreter des Klerus in der Provinzialversammlung ernannt. Die Brücke von Kirchenamt zur Politik war geschlagen. Immer mehr nahm er die gesellschaftlichen Realitäten wahr. "Wie kann der einzelne Mensch sein Recht, das ihm Staat und Kirche vorenthalten, für sich wieder erkämpfen?" so fragte er offen. Und "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Sind das nicht christliche Prinzipien?". Im Revolutionsjahr 1789 machte sich der Geistliche zum Anwalt der Unterdrückten. "Was ist der 3. Stand", so fragte er provozierend. (Emanuel Joseph Sieyès - nach der Revolution)
Im Revolutionsjahr 1789 war die Versorgungslage katastrophal. Im reichsten Land Europas wurde gehungert. Missernten und Teuerung bedrohten das Volk. Brot kostete die einfachen Menschen kurz vor der Revolution fast 90% ihres Lohnes.
Die Revolution hat ganz Europa verwandelt, auch wenn zunächst nur die Hauptstadt Frankreichs betroffen schien. Denn in Paris gärte es schon lange. Nicht nur des Hungers wegen. Das aufstrebende Bürgertum machte sich die Ideen der Aufklärer zu Eigen. Voltaires Schriften gegen die Kirche, ein halbes Jahrhundert alt, waren zwar verboten, seine Lehre von der Herrschaft der Vernunft aber lebte. Und uralte Freiheitsträume nahmen Gestalt an, wie der, den die Gebrüder Montgolfier verwirklichten. Ihr Heißluftballon war wie ein Symbol für die grenzenlose Entfaltung menschlicher Möglichkeiten.
Die einfachen Priester lebten mit dem Volk in kargen Verhältnissen. Anders als die reichen Adelskleriker, die es mit dem König hielten und mit dem niederen Klerus gar keine Berührung hatten. Abbé Sieyès distanzierte sich, wie viele Priester, von dieser Kirche des Königs. Er verließ sein kirchliches Amt und trat in den Dienst einer anderen, noch heiligeren Sache, wie er meinte: die Sache der Revolution.
Der Mensch ist sein eigener Herr. Zu einer glücklichen Entwicklung der Gesellschaft braucht es weder Gott noch Gebete, es genügen vernünftige Gesetze. - Die neue Zeit entsteht in den Köpfen. "Ich denke, also bin ich" schreibt René Descartes und gibt dem europäischen Geist eine neue Strömungsrichtung. Das Universum erscheint jetzt als ein mechanisches Uhrwerk. Wer seine Gesetze versteht, kann es beherrschen. Gott ist darin nur noch eine unbeweisbare Annahme, die Kirche allenfalls eine moralische Anstalt zur sittlichen Erziehung der Bürger. Glaubenskriege, Inquisition und Aberglaube werden vor der Sonne der Vernunft wie alter Schnee vergehen. Die neuen Ideen dringen bis in die höchsten Kreise des Adels vor. In Preußen und Österreich kommen aufgeklärte Regenten an die Macht. Sie werben für Bildung und Toleranz und drängen den Einfluss der Kirche zurück. Im Staat Friedrichs des Großen soll jeder "nach seiner Fasson" selig werden. 1789 hebt der unterdrückte Dritte Stand sein Haupt. In einem Jahrzehnt fegt die Französische Revolution die Reste des Mittelalters beiseite. Unter heftigen Wehen wird der moderne Nationalstaat geboren. Die Kirche war Stütze des alten Regimes und sitzt nun mit diesem auf der Anklagebank. Die Priester sollen einen Eid auf die Verfassung leisten. Wer sich weigert, stirbt unter der Guillotine. Die Volksheere Napoleons exportieren die neuen Ideen weit über die Grenzen Frankreichs hinaus. 1803 werden fast alle geistlichen Fürstentümer abgeschafft und Kirchengut im großen Stil enteignet. 1804 "zitiert" der Korse den Papst nach Paris, um sich vor dessen Augen selbst zum Kaiser zu krönen, eine Gebärde, die den alten Anspruch der Päpste verhöhnt. Der Wiener Kongress versucht, die Zeit zurückzudrehen. Auf den Barrikaden von 1848 stehen - vereinzelt - auch Christen und kämpfen für Pressefreiheit, Menschenrechte und Demokratie.
Noch heute wirkt sich der radikale Umbruch des Jahres 1789 aus. Alle Kirchengüter und aller Klosterbesitz wurde damals verstaatlicht, mit dem Einverständnis vieler Geistlicher. Kultur und Kirche sollten einzig im Dienst von Volk und Nation stehen. Eine radikale Verfassungsreform wurde angestrebt.
Wie antike Grazien: Die allegorische Figur der Politik mit dem Gesetzestext, die reine Philosophie und die Ökonomie mit dem Füllhorn, das Versprechen der Revolution. Und über allen eine christliche Anleihe: das Auge Gottes, jetzt das Auge der Vernunft
Die Revolution war bedroht von innen und vor allem von außen. Sie verstieß gegen das monarchische Prinzip, unter dem ganz Europa regiert wurde. Österreich und Preußen drohten mit Krieg, wenn die Revolutionäre es wagen sollten den König anzutasten. Als der König im Juni 1791 aus Paris zu fliehen versuchte, wollten ihn viele des Hochverrats anklagen. Die außenpolitische Lage verschärfte sich. In England, Spanien und Preußen formierte sich Widerstand gegen die Revolution.
Sie markierte den Wendepunkt im Verhältnis von Staat und Kirche. Seit der Zeit Jesu hatten religiöse Themen den Alltag der Menschen und die Politik der Völker bestimmt. Statt christlicher Botschaft und tiefer Frömmigkeit waren es drei Worte, die nun das neue Staatsverständnis prägten und für die es sich zu kämpfen lohnte, wie die Menschen meinten: Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Freiheit vor allem auch von der Autorität der Kirche, die jetzt ihre Beziehung zu Staat und Kultur neu definieren musste, wollte sie nicht gemeinsam mit den gestürzten Machthabern untergehen. Eine Lawine von Gewalt wurde angestoßen. Nicht mehr vor Gott, vor der Guillotine waren alle gleich. Den Radikalen unter Robespierre galten auch die Kleriker als Feinde, die den Eid auf die Verfassung verweigerten, weil sie sich nicht als 'Beamte im Dienst des Staates' verstanden. Auch Sieyès musste jetzt untertauchen.
In der Mitte des Tempels ein Denkmal, errichtet für die Errungenschaften der Revolution: Der Altar des Vaterlandes.
Die neuen Heiligen in der Kirche der Vernunft (Panthéon, Paris) waren die Aufklärer, die ihrem Jahrhundert die Idee der Freiheit brachten. Allen voran Voltaire (Bild). Voltaire, Streiter gegen Vorurteile, gegen kirchliche Bevormundung, der Kämpfer für Toleranz. Rousseau, auch ein großer Vordenker, erträumte einen Staat, in dem die Rechte des Einzelnen in den Rechten der Gemeinschaft aufgingen. In seiner Vorstellung war der Naturzustand des Menschen ein Zustand völligen Glücks. Staat, Kultur, Besitz haben ihn erst verdorben.
Der revolutionäre Geist schlug in Cluny wilde Kapriolen. Cluny wurde zum Steinbruch, zu Baumaterial, das zu Geld gemacht wurde. Klosteranlagen und Kirchen wurden bis auf die Grundmauern abgetragen, die Ruinen später als Pferdestallungen genutzt.
Es gibt noch Akten, die eine Entwicklung dokumentieren, wie sie für die Menschen Ende des 18. Jhs. sensationell war. Das Zivilregister zeigt, wie kirchliche Aufgaben von nun an vom Staat übernommen wurden: Taufe, Heirat, Tod. Plötzlich alles eine Sache der staatlichen Obrigkeit. Die Zivilehe ersetzte das heilige Sakrament der Ehe. Priester konnten jetzt heiraten und Ehen konnten jetzt ofiziell geschieden werden, mit staatlichem Segen. Eine systematische Entchristianisierung wurde betrieben.
Die Kunst tauchte ihre Errungenschaften der Revolution in das edle Licht antiker Geschichte. Auf Gedenksteinen wird das Jahr eins einer neuen Epoche gefeiert. Die allegorische Figur der Revolution, gesund und kräftig wie Herkules, erschlägt den Geist des schwachen, schwarzgeflügelten Engels, die alte Religion. Illusionen vom Anbruch einer ganz neuen Zeit.
Die seelische Wirkung des Terrors zog merkwürdige Kreise. Von feierlichen Tanzveranstaltungen wurde berichtet. Frauen, die Verwandte unter der Guillotine verloren hatten, tanzten auf sogenannten "Bällen der Opfer", um der Toten zu gedenken und das eigene Überleben zu feiern. Ein makaberer Totentanz.
Sieyès, der sich klug zurückhielt, erschien, als die Gefahr vorbei war, wieder auf der politischen Bühne. Er hatte sein Ansehen und sein Leben gerettet. Sieyès forderte nun politische Stabilität. Er bahnte dem neuen Heilsbringer Napoléon Bonaparte den Weg.
Napoléon erklärte die Revolution für beendet. Er hat auf der Grundlage der Menschenrechte einen modernen Gesetzescodex geschaffen: den Code Napoléon und die Vereinbarung mit der katholischen Kirche, das Konkordat. Es blieb aber bei der Trennung von Kirche und Staat. Der Krieg im Inneren war beendet. Der Krieg mit vielen Ländern Europas aber ging weiter. Die Soldaten brachten den Schrecken des Krieges, aber auch die Ideen von Gleichheit und Brüderlichkeit.
Von Spanien bis Russland, von der Ostsee bis Italien, erstreckte sich das riesige Reich, das zwar erobert, aber nicht gehalten werden konnte. Der Gewinn für Europa war letztlich der Geistige.
