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Inhalt

Inhalt der Sendung

Einleitung

Um in Rom den Bau des Peterdoms zu finanzieren, verkaufen päpstliche Prediger in Deutschland Ablassbriefe. Der Widerstand eines sächsischen Mönchs gegen den Missbrauch kirchlicher Macht weitet sich zu einem Flächenbrand aus, der die Einheit der Kirche zerstört.

Im 15.u.16.Jh. stand die Kirche vor ihrer schwersten Zerreißprobe. 'Das Papsttum habe die Botschaft Christi entstellt'. Das ist der Vorwurf der Kritiker, die eine Rückkehr zum wahren Glauben fordern

  • Radierung: Portrait von Martin LutherMartin Luther (1483-1546)

Einer der Kritiker war Jan Hus, der Reformer des 15. Jahrhunderts. Er musste für seine Ideen mit dem Leben bezahlen. Im Jahr 1415 endete er als Ketzer in Konstanz auf dem Scheiterhaufen.

  • Statue von Jan Hus
  • Zeichnung: Jan Hus auf dem Scheiterhaufen

100 Jahre später. Der Augustiner-Mönch Martin Luther aus Wittenberg verfasste ein Papier mit 95 Thesen. In ihnen fasste er seine ganze persönliche Auffassung von der Rolle der Kirche zusammen und wendete sich vor allem gegen das Geschäft mit der Buße, dem Ablass.

  • Filmszene: Luther schlägt seine Thesen an die Kirchtür

Politische Europakarte

Das ausgehende 15. Jahrhundert

Eine Welt im Umbruch. Vom christlichen Europa aus starteten Seefahrer, um neue Kontinente zu entdecken. Der Genuese Christoph Kolumbus entdeckte Amerika. Trotz aller sensationellen Entdeckungen, orientierte sich das Alltagsleben noch an alten Vorstellungen und Gebräuchen. Die mittelalterliche Ordnung wurde von Papst und Kaiser bestimmt. Luthers Thesen wirkten in der Öffentlichkeit wie Zündstoff. Sie rüttelten an der gängigen Ablasspraxis, dem Geschäft mit der Buße und sie griffen die Autorität des Papstes an.

Nach einer Todesnäheerfahrung im Jahr 1505 versprach Luther im Erfurter Augustinerkloster, von nun an nur Gott zu dienen. Er wurde ein pflichtbewusster Mönch, der die Ordensregeln buchstabengetreu befolgte.

Im Jahr 1510 wurde Luther in Ordensangelegenheiten nach Rom geschickt. Für den Mönch aus der deutschen Provinz ein Schock. Überall wurde den Pilgern Geld abgeknöpft, wurden die heiligen Stätten vermarktet. Jahre später noch hat sich Luther angeekelt daran erinnert.

Luther ahnte wohin die vielen Gelder flossen, die der Ablass einbrachte: 'Der Bischof Albrecht hatte sich zum Erzbischof wählen lassen, was 30000 Rheinische Gulden kostete. Der Papst hatte auch noch die Hand im Spiele, damit die Hälfte dem Bau der St. Peterskirche zufallen soll.' Es war vor allem das einfache Volk, das den Prunk der Kirche finanzierte. Mit den Ablassbriefen finanzierte sich das Papsttum der Renaissance. Sie wurden zum Auslöser der Reformation.

  • Filmszene: Martin Luther im Kloster
  • Filmszene: Rom
  • Filmszene: Rom
  • Filmszene: Bischoff
  • Filmszene: Ablassgelder in einer Wagschale
  • Filmszene: Ablassbrief mit Siegel

    Ablassbrief

Reformatorische Gedanken

An der Universität zu Wittenberg übernahm Luther die Bibelprofessur. Niemand hatte 1512 geahnt, dass von hier aus die christliche Welt aus den Angeln gehoben werden sollte. Luthers Entdeckung beinhaltete eine revolutionäre Erkenntnis: Allein das Vertrauen auf die Gnade Gottes gewährt Erlösung, nicht die Leistungen, die der Mensch erbringt. Mit dem Opfertod Christi am Kreuz reicht Gott den Menschen die Hand zur Versöhnung. Gott ist nicht strafend oder rachsüchtig, sondern barmherzig und gnädig. Sola Fide, allein aus Glauben ist der Mensch gerechtfertigt vor Gott.

Inhalt: Allein der Glaube

Amtsmissbrauch von Papst und Kurie, sittliche Verwahrlosung des Klerus und hemmungslose Vermarktung der Seelsorge: Die Leitung der Kirche steckt in der eigenen Sackgasse und scheint unfähig, sich zu befreien. Der Augustinermönch Martin Luther quält sich mit der Frage nach der Rechtfertigung des Menschen vor Gott. Im Römerbrief des Hl. Paulus findet er eine lange verschüttete Antwort: Die Gnade Gottes ist unverdientes Geschenk. Nicht fromme Werke, sondern allein der Glaube führt zum Heil. Eine Ablasskampagne Roms zündet den Funken. Mit 95 Thesen wendet sich Luther an die Öffentlichkeit. Der junge Buchdruck verbreitet sie in ganz Deutschland. Der Papst droht mit dem Bann. Luther bestreitet das Recht der Kirche, sich zwischen die Gläubigen und Gott zu stellen. Vor dem Reichstag in Worms soll er widerrufen. Er weigert sich standhaft, und man erklärt ihn für vogelfrei. Sein Kurfürst versteckt ihn auf der Wartburg. Hier übersetzt er die Bibel ins Deutsche und schafft ein Sprachdenkmal von hohem Rang.

Inzwischen entstehen in der Schweiz weitere Reformationen. Zwingli in Zürich und Calvin in Genf finden eigene Varianten und können sie politisch absichern. Ab 1525 erschüttern Aufstände der unterdrückten Bauern das Reich. Sie bauen auf Luthers Unterstützung. Der entscheidet sich jedoch für die Gegenseite. Der Bauernkrieg endet in einem blutigen Strafgericht. Die Reformation beginnt, den Alltag der Menschen umzugestalten. Luther heiratet die Nonne Katharina von Bora. Er ist jetzt glücklicher Familienvater, führt Tischgespräche mit seinen Freunden und verfasst geistliche Lieder. 1530 legen die lutherischen Stände dem Reichstag in Augsburg eine umfassende Bekenntnisschrift vor. Der Kaiser setzt jedoch auf Krieg, um die Glaubensfrage mit Waffengewalt zu beantworten. Vergeblich. Die Zeit der Kirche ist in Deutschland vorbei. Die Zeit der Kirchen hat begonnen.

Mit dem Opfertod Christi am Kreuz reicht Gott den Menschen die Hand zur Versöhnung (Luther).

Es war eine technische Entwicklung, die Anfang des 16.Jhs. die Verbreitung der reformatorischen Gedanken erst möglich machte: Der Buchdruck. Ohne die 'Schwarze Kunst' wäre der Protest Luthers und seiner Anhänger kaum über die Stadtgrenzen Wittenbergs hinausgekommen.

  • Filmszene: INRI
  • Filmszene: Setzkasten, der mit Bleilettern besetzt wird

    Setzkasten

  • Druckplatte

    Druckplatte

  • Zeichnung zeigt den Papst als chimärenhafte Teufelsfigur
  • Schmähkarikatur und Auszug aus Schrift
  • Zeichnung zeigt Mönche, die am Galgen hängen

Der Papst als vollbusiger Esel, als Monster von Rom. Keine Beleidigung konnte drastisch genug sein um in Holz geschnitten zu werden. Auf Schmähblättern und Karikaturen. Auch Luthers Gegner hielten sich mit Beschimpfungen nicht zurück. Die theologische Auseinandersetzung wurde mit den allerneusten Mitteln, dem Buchdruck, geführt.

Karte von Europa zeigt die Ausdehnung der reformatorischen Impulse

Luther predigte und dozierte. Gelehrte aus ganz Europa fanden sich in Wittenberg ein, trugen den reformatorischen Impuls nach Skandinavien, in die Niederlande, nach England und in die Schweiz.

Am Genfer See war es Johannes Calvin, der die Stadt in den 30er Jahren radikal reformierte.

In Zürich trieb Ulrich Zwingli ab 1522 die Reformation voran. Überall verfolgte die Reformation das gleiche Ziel: eine reformierte Kirche, in der nichts ihrem eigentlichen Auftrag widersprechen darf: Der Verkündigung der Gnade Gottes. Aber es gab auch Gegensätze unter den Reformatoren. Ulrich Zwingli bestritt Luthers Auffassung vom Abendmahl. Dieser Streit entzweite die Reformatoren.

  • Portrait von Johannes Calvin

    Johannes Calvin

  • Portrait von Ulrich Zwingli

    Ulrich Zwingli

  • Filmszene: Abendmahl

Der Reichstag zu Worms, 1521

Hier entschied sich das Schicksal Luthers und seiner Reformation. Der Reichstag war ein imposantes Gipfeltreffen aller Mächtigen im Römischen Reich Deutscher Nation. 31 Fürsten, 50 Bischöfe, 83 Prälaten, 145 Grafen und die Vertreter der Reichsstände versammelten sich unter Vorsitz des Kaisers Karl V. Die Herren berieten mehrere Monate alles, was die Zukunft des Reiches anging, auch wie man mit dem Ketzer Luther verfahren solle. Er wurde nach Worms zitiert und stellte sich. Die Einheit von Kirche und Reich stand auf dem Spiel. Eine schlichte Antwort Luthers zündete das Pulverfass: "Ich kann und ich will nichts wiederrufen. Hier stehe ich und kann nicht anders."

  • Filmszene: Modell des Reichstags zu Worms

Bibelübersetzungen

Im Versteck vor seinen Widersachern übersetzte Luther das Neue Testament ins Deutsche. Dieses hat den Menschen die ursprüngliche Botschaft des Christentums zugänglich gemacht. In einem einfachen Deutsch, so wie es jeder verstand. Luthers Bibelübersetzung wurde zum Bestseller der aufblühenden Buchindustrie. Selbst in fernsten Ländern beeinflusste die Lutherbibel die christliche Entwicklung. Denn von Luthers Übersetzung ging ein Impuls aus, der dazu führte, dass überall auf der Welt die Bibel in die jeweiligen Landessprachen übertragen wurden.

  • Die Bibel auf Deutsch
  • Die Lutherrose, das Gütesiegel der Reformation.

Der sich wandelnde Glaube

Das Wort stand im Zentrum des neuen Glaubens. Das Wort der Bibel, aber auch das Wort, das von der Kanzel gesprochen wurde, die Predigt. Die Kirche ist nicht mehr allein spiritueller Raum, sondern auch Hörsaal. Das Ritual trat zurück, das Wort gewann an Bedeutung. Und der prunkvolle Schmuck vieler Kirchen fiel. Die Statuen der Heiligen wurden zerschlagen, die glanzvollen Altäre aus den Kirchen geworfen; Schmuck und Bilder, die vom eigentlichen Kern der christlichen Botschaft ablenken, so die Meinung der Reformatoren.

Die Reformation entfaltete revolutionäre Sprengkraft, vor allem auch dort, wo es um soziale Unzufriedenheit ging. Eine Welle von Gewalt rollte durch Deutschland: Die Bauernkriege. Die Spannung zwischen armen Bauern und reichen Grundherren entludt sich blutig.

  • Gemälde: Schlacht während der Bauernkriege
  • Filmszene mit Hellebarden
  • Gemälde: Schlacht während der Bauernkriege

Luthers Hochzeit. Er setzte damit ein Zeichen: Ehe für Priester. Nach katholischer Auffassung eine Todsünde, nach reformatorischer Auffassung eine Pfarrehe, die Gottes Segen hat.

  • Relief: Luthers Hochzeit

Karte von Europa mit Ausdehnung des reformatorischen Glaubens über ganz Mitteleuropa

Kaum 10 Jahre nach der Veröffentlichung der 95 Thesen bekennen sich 1/5 der Menschen des Reichs zum reformatorischen Glauben.

Konfessionskriege

1547 verbündete sich Kaiser Karl V. mit dem Papst, Bayern und dem Herzogtum Sachsen, um sich dem inneren Feind der Reichseinheit entgegen zu stellen - der Reformation. Die Schlacht wurde zugunsten der kaiserlichen Truppen entschieden. Militärisch war die lutherische Reform besiegt. Aber die Erwartungen, die sie geweckt, die Veränderungen, die sie erreicht hat, blieben bestehen. Der Geist der Reformation war nicht mehr aus den Köpfen zu bekommen.