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Erst Mitte des 19. Jahrhundert stellt man fest, dass das Sonnenlicht bei Rachitis oder Gelenkleiden heilend wirkt. In dieser Zeit setzt eine Gesundheitsbewegung ein. Viele Kuranstalten werden gegründet und die unterschiedlichsten Theorien darüber aufgestellt, was „natürlich“ und gut für den Menschen ist. Bewegung und Sonne gehört bei den meisten dazu, doch manche empfehlen auch radioaktive Bäder oder schwache Säuren. Ende des 19. Jahrhunderts begründet der deutsche Arzt Moritz Schreber die Schrebergartenbewegung. Der Aufenthalt an der Sonne wird wieder modern.

Dr. Moritz Schreber, der Begründer der Scherbergarten-Kultur.

Dr. Moritz Schreber, der Begründer der Scherbergarten-Kultur. © akg

Im Lauf der nächsten Jahrzehnte verbreitet sich auch die so genannte Freikörperkultur, die den Aufenthalt im Freien ohne jede Bekleidung propagiert – an die Ideale der unbekleideten Athleten der Antike wird wieder angeknüpft. Ein breiter Trend zur Natürlichkeit setzt ein, auch bei weniger freizügigen Menschen. Die vielen Unterröcke, Mieder und Korsetts der Frauen fallen, die Röcke werden kürzer und viel Sport an der frischen Luft für Mann und Frau wird modern.

Strandurlaub vor hundert Jahren: So bekleidet, war Sonnencreme nicht nötig.

Strandurlaub vor hundert Jahren: So bekleidet war Sonnencreme nicht nötig. © akg

Die Kultur der Freibäder hielten viele Zeitgenossen für moralisch bedenklich.

Die Kultur der Freibäder hielten viele Zeitgenossen für moralisch bedenklich. © akg

In der Zeit des Nationalsozialismus wird in Deutschland der athletische Körper propagiert. Hans Surén verkörperte das Ideal des gestählten, braungebrannten Mannes. Er schrieb in seinem Ratgeber: „Der braune Leib - gleich einer Statue von Bronze - bannt das Auge zu reiner Bewunderung und begeistert zu dem Entschluss, alles dran zu setzen, um gleiche Schönheit zu erringen.“

Doch auch nach dem 2. Weltkrieg hat sich die Mode der "sportlichen Bräune" statt der „vornehmen Blässe“ erhalten. In Zeiten des Wirtschaftswunders begannen Millionen von Deutschen in den Sommerferien nach Italien zu fahren, um an den Stränden von Adria und Riviera in der Sonne zu braten. Kam man gut gebräunt aus dem Urlaub zurück, konnte jeder sehen, wie gut es einem ging – körperlich und finanziell.

Probleme der sportlichen Bräune

Eine gut gebräunte Haut wird bis heute mit Sportlichkeit, Gesundheit und Wohlbefinden gleichgesetzt. Das hat dazu geführt, dass viele Menschen sich mehr UV-Strahlung aussetzen als gesund ist. Insbesondere die weite Verbreitung von Solarienbesuchen sehen Mediziner sehr kritisch. Der Anstieg der Hautkrebsrate in den Industrieländern ist damit eindeutig in Zusammenhang zu bringen.

Auch die häufigen Urlaubsreisen in ferne, südliche Länder, in denen die Sonne sehr intensiv scheint, haben zur erhöhten Hautkrebsrate beigetragen. Viele Mitteleuropäer setzen ihre Haut mehr UV-Strahlung aus, als sie verträgt. Und der Trend wird weiter verstärkt, Winterurlaub in der Karibik ist nichts Außergewöhnliches mehr. Von der Sonne entwöhnte Haut mit wenig Eigenschutz wird dann dort einem UV-Index von 10-12 ausgesetzt – das bedeutet für den durchschnittlichen Mitteleuropäer höchste Sonnenbrand-Gefahr schon nach wenigen Minuten.

Einer der Gründe für die Zunahme von Hautkrebserkrankungen: Sommerurlaub mit langem Braten in der Sonne.

Einer der Gründe für die Zunahme von Hautkrebserkrankungen:
Sommerurlaub mit langem Braten in der Sonne.
© dpa