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Zur Geschichte Irlands:

Landschaftsaufnahme mit einem Fluss, der ins Meer mündet

Irlands Geschichte ist eng mit seiner geographischen Lage verbunden. Die Insellage zog Invasoren an und die bequem zu befahrenden Flüsse boten den Fremden immer leichten Zugang von der Küste ins Landesinnere.


In der Mitte der Insel liegt eine große Tiefebene, die sich nach Osten zur irischen See öffnet. Durch dieses Tor zwischen den Wicklow Mountains im Süden und der Calingford-Halbinsel an der Grenze zu Nordirland strömten Wellen von Eroberern nach Irland.


Die Nähe zu England, das immer eine Art Schranke zwischen Irland und dem europäischen Festland bildete, sollte sich besonders folgenschwer auf die irische Geschichte auswirken.


Kletisches Kreuz

Die Einwanderer, die den nachhaltigsten Einfluss in Irland ausübten, waren die Kelten. Sie kamen von Gallien wahrscheinlich während des ersten vorchristlichen Jahrtausends auf die Insel und nahmen das Land in Besitz. Die Kelten verhielten sich der vorgälischen Urbevölkerung gegenüber in einer Weise, die ihnen von nachfolgenden Eroberern selbst bereitet werden sollte.


Sie unterwarfen die Einheimischen mit überlegenen Waffen, töteten, eigneten sich fremden Besitz an und zwangen die Überlebenden zu Tributzahlungen. Der Sagenheld Cuchulain gehört in diese Epoche, von der man heute recht wenig weiß.


In Irland dauerte die keltische Herrschaft länger als im übrigen Europa, wo die Römer die macht übernahmen. In Irland aber hielt sich die Vormachtsstellung der Kelten bis ins 5.Jahrhundert n. Chr. und setzte sich auch nach der Christianisierung teilweise bis ins Mittelalter fort. Die damalige Situation in Irland ähnelte in manchen Zügen dem antiken Griechenland. Es gab kein Königreich, keine echte politische Einheit, aber es bestand ein kultureller Gesamtzusammenhang. Sprache, Religion und Recht verbanden die einzelnen irischen Stämme miteinander. Im Lauf der Jahrhunderte wurde Irland von verschiedenen Invasionen heimgesucht. Nacheinander kamen die Wikinger, die Normannen und dann schließlich die Engländer, die blieben. Eine Zeit der Unterdrückung begann für Irland und die Wunden aus den jahrhundertelangen Konflikten sind bis heute noch nicht verheilt.


Altes Kirchengemäuer

Dazu kam die Mitte des 17. Jahrhunderts einsetzende Verschärfung der Gegensätze von Katholiken und Protestanten. Den protestantischen, meist englischen Grundbesitzern stand die Masse der katholischen, irischen Bauern gegenüber, die sich kaum ernähren konnte.


England trieb zusätzlich enorme Steuern von den Iren ein und exportierte irisches Getreide und Fleisch, das die Bevölkerung selbst dringend gebraucht hätte. In Verbindung mit der Kartoffelpest, die das Grundnahrungsmittel der Bauern vernichtete, führten diese Zustände Mitte des 19. Jahrhunderts zu einer der größten Hungerkatastrophen Europas. Über eine Million Iren verhungerte und Abertausende emigrierten. Gleichzeitig griffen die revolutionären Unruhen Europas auch auf Irland über, so dass der Ruf nach Unabhängigkeit und einem freien Irland immer lauter wurde.


1916 brach am Ostersonntag der irische Aufstand los, unter Führung der revolutionären nationalistischen Bewegung. Das Hauptpostamt wurde besetzt und die Iren riefen die Republik aus. Nach einer Woche war alles vorbei. Die britischen Truppen schlugen den Aufstand gewaltsam nieder und erschossen die Anführer. Trotzdem gilt der Osteraufstand bis heute als Beginn der irischen Republik. Die Männer des Osteraufstandes waren zu Märtyrern geworden und immer mehr Iren schlossen sich der nationalen Bewegung an. Die illegale Partei "Sinn Fein" (Wir Selbst) gründete die irische Nationalversammlung und eröffnete sie mit den Worten: "Wir sind fertig mit England - die Welt soll das wissen."


Ein Bürgerkrieg drohte in Irland, die gewaltsamen Konflikte mit den britischen Truppen nahmen kein Ende. England lenkte schließlich ein, ließ ein Parlament in Dublin zu und gab Irland die Stellung eines Freistaates, ähnlich wie Kanada oder Neuseeland. Schrittweise löste sich Irland immer mehr von England. 1949 wurde die heutige irische Republik ausgerufen. Großbritannien schloss Irland dafür aus dem Commonwealth aus. Der irische Norden allerdings gehörte nicht zur Republik. Die Insel wurde geteilt und das protestantische Nordirland blieb Teil des englischen Königreiches.


Verletzer Junge im Krankenbett

Die Irisch-Republikanische Armee (IRA), die für die Unabhängigkeit der ganzen Insel gekämpft hatte, wollte diese Regelung nicht akzeptieren und führt seitdem den Krieg im Norden weiter.


Der Konflikt um Nordirland hat auf beiden Seiten eine große Zahl an Opfern gefordert. Bis heute dauern die blutigen Auseinandersetzungen an und das Land ist gespalten. Den aktuellen Nachrichten kann man entnehmen, wie schwierig und zerbrechlich der Friedensprozess ist und wie er immer wieder aufs Neue gefährdet wird.


Die Innenstadt von Dublin

Die irische Republik wird seit einigen Jahren vom Rest Europas bestaunt. Jahrhundertelang galt Irland das Land der Emigranten. Ganze Generationen flohen von der grünen Insel, früher um Hunger und Elend zu entkommen, später vor Arbeitslosigkeit und fehlenden Zukunftsperspektiven.


Seit einigen Jahren aber boomt Irland. Plötzlich kehren mehr Iren auf die Insel zurück als auswandern. Das Land erlebt ein Wirtschaftswunder. Und das einst so arme Dublin ist ein attraktiver Arbeits- und Wohnort für junge Europäer geworden.


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