Logo SWR Schulfernsehen

Land & Leute

Schwarze Frau verkauft Essen auf der Straße

Während die USA ihren "Wilden Westen" öffneten, um Siedlern Landbesitz zu ermöglichen und somit die Produktion anzuspornen, schuf sich die Elite in Brasilien ein Monopol auf den Grundbesitz. Die Schwarzen und Mulatten Brasiliens, heute über 60 Millionen (rund 44 Prozent der Bevölkerung), stehen sozial ganz unten. Sie verdienen im Durchschnitt nur halb so viel wie die Weißen. Der Mittelstand besteht nur zu 10 Prozent aus Farbigen. Der Arbeitsmarkt ist scharf getrennt, und die Nachkommen der Schwarzen, die zum Arbeiten ins Land gebracht wurden, werden als Erste von der Arbeit ferngehalten, wenn eine wirtschaftliche Krise droht. Selbst die Kirche hat Mühe, ihren Glauben, dass vor Gott alle gleich sind, in die Praxis umzusetzen: Nur 200 von 12700 Priestern sind schwarz.


Doch langsam, ganz langsam, rührt sich etwas. 1984 zogen sich die Militärs nach 20-jähriger Diktatur aus der Politik zurück, die zivile Gesellschaft fing allmählich an, wieder Hoffnung und Kraft zu schöpfen. Unter den unzähligen Parteien und Verbänden waren auch über 100 Organisationen militanter Schwarzer. "Schwarzer Stolz" war das neue Schlagwort, das gegen die Ideologie der "Weißmachung" gestellt wurde. "Deine gelbliche Farbe, du dummes Mulattchen, die trage ich auf den Sohlen meiner Füsse," sang etwa Gilberto Gil. Gegen die mit Bügeleisen und Chemie geplätteten Haare der schwarzen Frauen wurden Afro-Locken als Schönheitsideal angepriesen. Vor allem in Salvador da Bahia ist der ideologische Wandel zu spüren. Schwarz ist schön, schwarze Musik und schwarze Kultur werden gefördert wie nie zuvor. In jedem Stadtteil strömen die Kinder in die Trommlervereine - und in die Capoeira-Schulen. Denn in Perkussion und Capoeira sind sie die besten. An Stelle des 13. Mai, Jahrestag der "Lei Aurea", den sie als Feiertag der Weißen abtun, marschieren die Schwarzen am 20. November über die Straßen, am Jahrestag der Hinrichtung Zumbis. Sie nennen ihn den "Tag des schwarzen Stolzes".


Begleitmaterial von Walter Tauber


» zum Seitenanfang