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Capoeira in Brasilien

Capoeira, eine Mischung aus Kampf und Tanz

Schwarze Männer in weißen Baumwollhosen und Strohhüten kommen von der Feldarbeit zurück. Weitab vom Herrenhaus halten sie inne, legen ihr Werkzeug ab und fangen ein seltsames Spiel an: Zu den rhythmischen Klängen eines aus Stock, Draht und Kürbis gebastelten Instruments treten sie reihum gegeneinander an. Die andern klatschen und singen in der Runde. Ob Kampf oder Tanz ist schwer zu erkennen - und das ist auch Absicht. Denn der brasilianische Kampfsport Capoeira war einst die einzige Waffe der schwarzen Sklaven. Sie mussten ihre Übungen als Tanz, als harmloses Spiel vor den wachsamen Augen der Aufseher und Plantagenbesitzer tarnen.


In Salvador da Bahia, der ersten Hauptstadt Brasiliens und einst Juwel im kolonialen Imperium der Portugiesen, erlebt Capoeira eine gewaltige Renaissance. Vor allem in der malerischen Altstadt finden sich viele Schulen, in denen Altmeister der Capoeira ihre Kunst an wissbegierige Schüler weitergeben. Längst wurde der Kampf zum Sport - und dennoch ist er mehr als nur Leibesübung. Für die erst vor etwas mehr als 100 Jahren aus der Sklaverei befreiten und noch immer unterdrückten Schwarzen Brasiliens ist Capoeira Symbol ihrer Identität, ihres Widerstandes, ihres Könnens. Die Meister sehen ihre Lehrtätigkeit als Sozialarbeit. Für die Jugendlichen in den Elendsvierteln ist die perfekte Beherrschung ihres Körpers und das Erlernen einer eigenen Tradition, einer Tradition der Schwarzen, ein Weg zur Befreiung.


Ein Film von Walter Tauber


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