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Die Stadt im späten Mittelalter – Hochzeit

Der schönste Tag des Lebens stellt für viele Menschen die Hochzeit dar. Welchen Stellenwert nehmen Ehevertrag und Morgengabe in der Hochzeitszeremonie des Spätmittelalters ein? Wird zur damaligen Zeit der Polterabend gefeiert? Im interaktiven Lernspiel kann man die wichtigsten Stationen einer prachtvollen Hochzeit nachvollziehen!

Das Hochzeitsfest besuchen

Per Drag and Drop lassen sich die Bilder des Lernspiels "Hochzeit im Mittelalter" verschieben.



Funktionsweise des Lernspiels

Ziel des Lernspiels ist es, die sieben verschiedenen Stationen einer prototypischen Hochzeit des Spätmittelalters in die richtige Reihenfolge zu bringen. Wenn man mit der Maus über die einzelnen Szenerien fährt, werden diese kurz erläutert:

Detailansicht des Lernspiels: Die Hochzeitsgesellschaft hat sich vor der Kirche versammelt.

Die Trauung findet vor dem Kircheneingang, der Pforte statt. Somit ist die Trauung öffentlich - und jeder Passant, der hier vorbei kommt, kann von ihr erfahren.

  • Polterabend
  • Brautkuss
  • Hochzeitsnacht
  • Ehevertrag
  • Trauung
  • Morgengabe
  • Festessen

Mit gedrückt gehaltener Maustaste können die Bilder verschoben werden. Hat man ein Bildchen an die richtige Stelle positioniert, erklingt ein helles akustisches Signal, wohingegen bei falscher Reihenfolge ein Störgeräusch ertönt.

Über den roten Hilfe-Button in der linken Ecke des Lernspiels lassen sich Lösungstipps aufrufen.

Weiterführende Informationen

Heiratsalter

In Herrscherfamilien ist es durchaus üblich, Kinder bereits in der Wiege miteinander zu verheiraten. Bei solchen Hochzeiten geht es natürlich um politische Interessen - um was sonst?

Bei den meisten Stadtbürgern aber liegt das Heiratsalter weit höher: Frauen sind bei ihrer Hochzeit im Durchschnitt Mitte Zwanzig, Männer sogar Mitte bis Ende Zwanzig. Sie sind gezwungen, sich vor der Hochzeit eine solide wirtschaftliche Existenz aufzubauen.

In manchen Städten gibt es sogar Vorschriften für das Mindest-Heiratsalter. So ist es in Luzern zum Beispiel verboten, ohne Zustimmung der Verwandten ein Mädchen unter fünfzehn oder einen Jungen unter achtzehn Jahren zu heiraten.

Detailansicht des Lernspiels: Die frisch getrauten Eheleute sitzen mit ihren Gästen an einer feierlich gedeckten Tafel.

Das Brautpaar genießt das üppige Festessen am Abend des Hochzeitstages.

Die Macht des Ehemanns

Die Beziehung zwischen Mann und Frau ist im Spätmittelalter alles andere als gleichberechtigt. Für gewöhnlich wird eine Frau immer nur in Bezug auf einen Mann gesehen, entweder auf ihren Vater oder ihren Ehemann. Völlig unabhängig kann sie in der mittelalterlichen Gesellschaft kaum leben: Entweder ist sie verheiratet, lebt im Kloster oder in der Familie eines Dienstherren.

Grundlage der Ehe ist die Idee, dass die Frau ihrem Mann gehorchen und er sie belehren soll. Anschaulich belegen das die vielen städtischen Gesetze, die es den Ehemännern ausdrücklich erlauben, ihre Frauen zu schlagen. Ein weiterer wichtiger Punkt: das Geld. Der Ehemann bestimmt über das Vermögen der Frau, schließt Geschäfte für sie ab und vertritt sie vor Gericht. Meist ist er der einzige Geldverdiener der Familie, und die Frau hilft in seinem Geschäft oder Handwerk mit.

Stillzeit und Sexualität

Kinder werden im Spätmittelalter lange gestillt. Das wirkt sich auch auf die sexuelle Beziehung von Mann und Frau aus. Geschlechtsverkehr ist nämlich während der Stillzeit eines Kindes und während der Schwangerschaft von kirchlicher Seite nicht erlaubt - auch nicht im Advent, in der Fastenzeit und an anderen Feiertagen. Da die Frauen aber fast immer schwanger sind oder gerade ein Kind stillen, können die Eheleute so gut wie nie mit Billigung der Kirche zusammen schlafen.

Für die Kirche ist Keuschheit eine Tugend der Liebe, reinen Lustgewinn missbilligt sie. So ist Geschlechtsverkehr nur "erlaubt", wenn er Fortpflanzung dient. Anspruch und Wirklichkeit klaffen hier aber weit auseinander. Empfehlungen zur Empfängnisverhütung zeigen, dass Menschen durchaus ihren Gefühlen und Bedürfnissen nachgeben.

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