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Die Stadt im späten Mittelalter – Das Gerber-Handwerk

Ob festes Schuhwerk, ein kleidsames Lederwams, eine zünftige Hose oder ein derber Sattel – Leder ist im Mittelalter einer der wichtigsten Rohstoffe von Kleidung und anderen Gebrauchsgegenständen. Doch wie wird Leder hergestellt? Das lässt sich im interaktiven Lernspiel "Gerben" herausfinden.

Das Gerber-Handwerk erlernen

Die Arbeit der Gerber findet zum Großteil draußen am Fluss statt. Im ersten Arbeitsschritt werden die Tierhäute gewaschen.

Bedienung des Lernspiels

Das Lernspiel bietet die Möglichkeit, das mittelalterliche Handwerk "Gerben" interaktiv nachzuvollziehen.

Zunächst bietet es sich an, die Szenerie am Fluss zu erkunden: Fährt der Spieler mit der Maus über die verschiedenen Gegenstände, werden Kurz-Informationen angezeigt. Damit eine Aktion ausgelöst werden kann, muss man mit gedrückt gehaltener Maus die einzelnen Objekte auf die entsprechenden Werkzeuge ziehen. Dabei gilt es, die richtige Reihenfolge der Arbeitsschritte zu beachten. Als erstes muss beispielsweise die rotbraune Tierhaut auf das Waschgitter im Fluss gezogen werden …

Detailansicht des Lernspiels: die Arbeit am Schabebaum

Ein Gerber entfernt auf einem Schabebaum die Fleischreste von der Tierhaut.

Über den roten Hilfe-Button in der linken Ecke des Lernspiels lassen sich Lösungstipps aufrufen.

Weiterführende Informationen

Einkauf der Rohstoffe

Am Metzgerstand kaufen die Gerber ihr Arbeitsmaterial ein. Sie erhalten die abgezogenen Tierhäute und Felle mitsamt Haaren und Fleischresten, also in einem ungereinigten Zustand. Den zweiten Rohstoff der Gerber, die Lohe, besorgt die Zunft für alle Gerber der Stadt. Es handelt sich dabei um Eichen- und Fichtenrinde, die in einer Mühle, die der Zunft gehört, klein gemahlen wird.

Wasserwerkstatt

Die Arbeit im Fluss, in der sogenannten Wasserwerkstatt, ist ein wesentlicher Bestandteil der Gerberei. Immer wieder müssen die Häute unter fließendem Wasser gespült werden, um sie zu reinigen. Fleisch, Blut und die Lauge, in der die Felle gegerbt worden sind, gelangen so in das Flusswasser. Das ist auch einer der Gründe, warum sich die Gerber am Stadtrand ansiedeln: Sie verschmutzen das Wasser erst da, wo der Fluss aus der Stadt herausfließt.

Für die Gerber ist die Arbeit in der Wasserwerkstatt äußerst mühsam. Vor allem im Winter ist es eine Qual, stundenlang im kalten Wasser zu stehen. Gesundheitsprobleme sind die Folge: Die Gerber sind oft erkältet und haben Schmerzen in den Gelenken.

Gespült wird beim Gerben insgesamt dreimal: nach dem Einkauf der Häute, nach dem Entfernen von Fleischresten und Haaren und nach dem eigentlichen Gerbprozess.

Detailansicht des Lernspiels: Ein Gerberjunge legt die Tierhaut in den Kalkbottich ein.

Durch die Kalklösung wird das Fell von den Tierhäuten entfernt.

Entfernung von Fleisch und Fell

Ein Schabebaum ist ein schräg gestellter Holzblock, der als Unterlage beim Abschaben des Fells dient. Mit einem speziellen Schabemesser kann man relativ einfach die Fleischreste von der Fellinnenseite abschaben.

Nach dem Spülen und Abschaben der Häute ist ein letzter Schritt nötig, bevor es an das eigentliche Gerben geht: Die Haare müssen von der Haut entfernt werden. Dazu benutzt man Kalk, Urin oder man räuchert die Häute. Die gängigste Methode wird folgendermaßen durchgeführt: Die Häute werden in Bottichen mit gebranntem Kalk eingelegt, der die Haare ablöst. Um den Kalk wieder zu entfernen, müssen die Häute erneut gespült werden. Erst jetzt sind sie fertig für den eigentlichen Gerbprozess.

Der Gerbprozess

Zum Gerben werden die gereinigten Häute in Gruben eingelegt, die mit frischem Wasser und Lohe gefüllt sind.

Die zerkleinerte Fichten- und Eichenrinde enthält einen Stoff, der den Gerbvorgang auslöst – einen chemischen Prozess, der die Häute haltbar macht. Dieser Vorgang kann bei großen, schweren Häuten sehr lange dauern: von sechs Monaten bis zu drei Jahren.

Detailansicht des Lernspiels: Ein Junge und eine Frau beim Zuschneiden des getrockneten Leders

Das gegerbte Leder wird in Form geschnitten.

Trocknung des Leders

Nach dem Gerben werden die Häute aus der Gerbgrube genommen und zunächst zum Abtropfen über ein Geländer gelegt. Weil am Fluss nicht immer genügend Platz für alle Häute ist, geraten die Gerber untereinander oft in Streit.

Zum Trocknen hängt man die Häute dann in den mehrgeschossigen Dachboden. Zahlreiche Fenster sorgen hier für eine gute Belüftung. So können die Häute besser trocknen. In vielen Gerbhäusern gibt es für ihren Transport hoch zum Dachboden einen Aufzug – der natürlich von Hand betrieben wird.

Endverarbeitung des Leders

Nachdem der Gerbprozess abgeschlossen und das Leder gut getrocknet ist, können die Häute zum Verkauf hergerichtet werden. Dafür werden die Ränder sauber mit dem Messer begradigt und die Häute geknickt und zusammengelegt.

Bevor das Leder jedoch verkauft werden kann, kommen noch die Zunftbeschauer ins Haus. Sie achten darauf, dass nur gute Qualität in den Handel gelangt. Schließlich soll die Gerberzunft nicht durch einen schlampigen Meister in Verruf geraten! Jedes Lederstück, das sie für gut befinden, bekommt einen Stempel. Dann endlich kann es von der Meistersfrau auf dem Markt verkauft werden.

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