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Industriemelanismus

Sophie ist zu Besuch bei ihrer Großmutter in einem kleinen Dorf in der Nähe von Manchester. Trotz der nahen Fabrikanlagen lädt ein beschauliches Birkenwäldchen zum Spielen und Spazieren ein. Doch bei einem Abendspaziergang bemerkt Sophie etwas Merkwürdiges: Die für die Landschaft typischen Nachtfalter – die sogenannten Birkenspanner – sind nicht wie zu vermuten hell gesprenkelt, sondern weisen fast alle eine schwarze Färbung auf! Wie kann man dieses Phänomen erklären? Das lässt sich in der interaktiven Animation erkunden!

Industriemelanismus starten

In der Animation lässt sich das verblüffende Phänomen des Industriemelanismus interaktiv erforschen.

Industriemelanismus – ein Beispiel für schnelle Evolution

Detailansicht der interaktiven Animation: Birkenspanner unter der Lupe betrachtet

Birkenspanner haben eine weiße Grundfärbung mit dunklen Sprenkeln. Für das Auge verschwimmen sie daher auf einer weißen, mit Flechten bewachsenen Birkenrinde. Die dunkle Form des Falters setzt sich dagegen deutlich ab.

Die natürliche Selektion gehört zu den grundlegenden Mechanismen der Evolution. Sie entscheidet darüber, welche Individuen überleben und sich somit erfolgreich fortpflanzen können. Die Selektion wirkt meist langsam über viele Generationen. Doch in manchen Fällen kann man der Evolution quasi im Rekordtempo zuschauen. Ein solches Beispiel bildet der Industriemelanismus, der in der lehrreichen Animation erforscht werden kann.

Die Interaktivität startet in einer idyllischen Wiesenlandschaft, die von Birken gesäumt ist. Man erfährt, dass es sich bei Birkenspanner um kleine Schmetterlinge handelt, die in Europa häufig anzutreffen sind. Ihre helle gesprenkelte Farbe lässt sie auf weißen Birkenstämmen fast unsichtbar werden. Ab und zu kann man zwischen all den weißen Faltern einige wenige schwarze Falter entdecken. Dieses Auftreten von schwarzen Formen bei Tieren wird als Melanismus (griechisch "melas" = schwarz) bezeichnet.

Detailansicht der interaktiven Animation: Industriemelanismus unter der Lupe betrachtet

Der Ruß aus den Fabrikschornsteinen färbt nicht nur die Birkenstämme dunkel, sondern tötet auch die Flechten auf der Rinde ab. Auf der einheitlichen dunklen Fläche der Baustämme sind nun die dunklen Falter kaum auszumachen. Die weißen Birkenspanner stechen dagegen hervor.

Mit einem Klick auf das Lupen-Piktogramm kann man sich die Schmetterlinge im Detail ansehen. Klickt man auf das Vogel-Symbol, erhält man die Information, dass gelegentlich einige schwarze Falter in der Population der Birkenspanner vorkommen. Diese fallen auf den hellen Birkenstämmen extrem auf und werden schnell von Vögeln gefressen. Fast alle Falter sind daher weiß.

Im oberen Bereich des Fensters lässt sich von der unberührten Natur in ein von Industrie geprägtes Szenario wechseln – hierfür muss man den Fabrik-Button betätigen. Man erlebt, wie im England des 19. Jahrhunderts die Industrialisierung zu einer dramatischen Umgestaltung der Landschaft führte. Wo einst Bauernhöfe und Felder lagen, schossen nun Fabriken wie Pilze aus dem Boden. Vielerorts verrußten deren Abgase ganze Landstriche. Die weißen Stämme der Birken färbten sich nun dunkel – ungünstig für die weißen Falter. Die wenigen dunklen Falter waren hingegen plötzlich ausgezeichnet getarnt und vermehrten sich prächtig. Die industrielle Revolution hat die schwarzen Falter begünstigt – daher der Begriff Industriemelanismus.

Detailansicht der interaktiven Animation: Höllenotter

Die meisten Exemplare der Höllenotter weisen nicht von Geburt an ihre charakteristisch schwarze Färbung auf, sondern dunkeln während der ersten zwei Lebensjahren sukzessive ein.

Klickt man in diesem Szenario auf das Vogel-Piktogramm, erfährt man, in welchem Umfang sich innerhalb der Falterpopulation die Anteile der Farbvarianten zugunsten der schwarzen Form verschoben haben. Am Ende des 19. Jahrhunderts waren in den Industriegebieten Manchesters bereits über 90% der Birkenspanner dunkel gefärbt.

Ein Klick auf die Schaltfläche, die mit einer Schlange gekennzeichnet ist, liefert weiterführende Informationen zum Melanismus bei Tierarten. Als Beispiel wird die einheimische Kreuzotter vorgestellt, die normalerweise eine graue oder braune Tarnfärbung aufweist. Vor allem in höheren Gebirgslagen kommt aber auch eine schwarze Form vor – die sogenannte Höllenotter. Obwohl schlechter getarnt, hat die wechselwarme Schlange durch ihre dunkle Färbung einen großen Vorteil. Sie wärmt sich im Sonnenlicht schneller auf als die normal gefärbte Variante.

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