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... und Action! – Kamera einsetzen

Bildgestaltung mit der Kamera

Jetzt geht es um’s Eingemachte: die Bildgestaltung. Sie erst macht einen Film unverwechselbar. Mit den Bildern erzählt ihr die Geschichte und beim Erzählen kommt es eben nicht nur auf das "Was", sondern auch auf das "Wie" an! 

Ein Pilz im Vordergrund, ein Mensch und Korb im Hintergrund; Rechte: Patrick Pleul
Im Vordergrund: ganz klar der Pilz!

Dabei kommt es besonders auf den Bildausschnitt an: Was soll auf dem Bild zu sehen sein? 

Auch die Anordnung der Personen und Gegenstände im Bild ist wichtig, um einen räumlichen Eindruck zu erzeugen: Was soll im Vordergrund, im Mittelgrund und im Hintergrund zu sehen sein?

Jugendlicher am Schreibtisch; Rechte: imagebroker
Lernstress, Nachsitzen oder spannende Lektüre? Auf jeden Fall eher Schule als zu Hause ...

Oft wird die wichtigste Person im Bildmittelgrund angeordnet. Damit ein Raumgefühl oder eine Tiefenwirkung entsteht, muss sich das Hauptmotiv gut vom Hintergrund abheben. Dabei kann der Hintergrund die Umgebung der Personen zeigen und beispielsweise Hinweise geben, wo die Handlung spielt.

Stellt euren Interview-Partner nicht einfach vor eine weiße Wand, sondern filmt ihn in einer Umgebung, die zum Interview passt: also den oberschlauen Neunmalklugen vor einem Bücherregal, den Computer-Freak an seinem Laptop, den Naturliebhaber im Wald! Wenn der Kontext nicht so wichtig ist, kann es auch einfach eine unscharfe Fläche sein.

  • Die Goldene Filmregel #1: Das Wichtigste in den Mittelgrund! 
  • Die Goldene Filmregel #2: Das Hauptmotiv vom Hintergrund abheben! 
Ein Mädchen auf einem Flur; Rechte: WDR
Der Blick wandert von links nach rechts und bleibt dann "hängen".

 Filmemacher können mit der Art und Weise, wie sie Bilder gestalten, die Blicke der Zuschauer lenken und dadurch auch ganz gezielt Wirkungen erzeugen:  Wenn wir Bilder betrachten, wandert unser Blick von links nach rechts und von oben nach unten, so wie wir gelernt haben einen Text zu lesen. Deswegen wird oft die wichtigste Person oder der wichtigste Gegenstand, der die Aufmerksamkeit der Zuschauer wecken soll, links oben innerhalb des Bilds positioniert. Oder auch auf der rechten senkrechten Linie, damit der Blick der Zuschauer dort hängen bleiben kann.

Ein lächelndes Mädchen; Rechte: WDR
Das Bild dritteln und die Person links oder rechts von der Bildmitte filmen und oben nicht zu viel Platz lassen.
  • Die Goldene Filmregel #3: Wenn ihr filmt, rückt nicht alles genau in den Mittelpunkt, das wirkt schnell langweilig. Packt das Wichtigste entweder links oben hin oder drittelt euren Bildausschnitt und platziert die Leute und Gegenstände auf den Schnittpunkten links und rechts neben der Bildmitte. 
  • Die Goldene Filmregel #4: Lasst beim Filmen eurer Protagonisten nicht zu viel "Luft" über den Köpfen; ihre Augen sollten eher oberhalb der Mitte angeordnet sein. Deswegen nennt man diese obere waagerechte Linie übrigens auch Augenlinie. 
  • Die Goldene Filmregel #5: Wenn wir eine diagonale Linie im Bild betrachten, die von links unten nach rechts oben führt, wie bei dieser Treppe, dann denken wir sofort "Hier geht’s nach oben“ – die Linie wird als aufsteigend interpretiert. 
  • Die Goldene Filmregel #6: Eine Linie von links oben nach rechts unten interpretieren wir als absteigend. 
Ein Treppenhaus; Rechte: WDR
Von links unten nach rechts oben – aufsteigend!
Ein Treppenhaus; Rechte: WDR
Von links oben nach rechts unten – absteigend!
Ein Junge läuft von links nach rechts; Rechte: WDR
Hier geht's vorwärts!
Ein Junge läuft von rechts nach links; Rechte: WDR
Hier läuft jemand zurück!

Die Links-rechts-oben-unten-Regel spielt auch bei Bewegung im Film eine wichtige Rolle: Wird eine Bewegung in Leserichtung (von links nach rechts) gefilmt, dann wird das als Vorwärtsbewegung gedeutet: die Person läuft ins Bild hinein. Umgekehrt empfinden wir Bewegungen von rechts nach links eher als Zurückkommen – die Person läuft aus dem Bild heraus.

  • Die Goldene Filmregel #7: Eine Bewegung von links nach rechts: Vorwärtsbewegung!
  • Die Goldene Filmregel #8: Eine Bewegung von rechts nach links: Hier kommt jemand zurück!

Kameraperspektiven & Kameraeinstellungen

Unterschiedliche Wirkungen könnt ihr auch mit der Kameraperspektive und der Kameraeinstellung erzeugen. Es macht einen Riesen-Unterschied, ob ihr eine Person von oben oder von unten filmt oder ob ihr nah rangeht oder eher auf Distanz bleibt. Filmbeispiele zu den unterschiedlichen Kameraperspektiven und Kameraeinstellungen findet ihr übrigens handlich verpackt im Glossar: Filmbegriffe, nach Themen sortiert

Und die Goldenen Filmregeln direkt hier:

  • Die Goldene Filmregel #9: Wenn ihr jemanden einsam, verletzlich oder verloren wirken lassen wollt, wählt die Kameraperspektive "Aufsicht".
  • Die Goldene Filmregel #10: Soll jemand besonders stark und mächtig rüberkommen, wählt die Kameraperspektive "Untersicht". 
  • Die Goldene Filmregel #11: Wenn ihr jemanden neutral, auf Augenhöhe, filmen wollt, wählt die Kameraperspektive "Normalsicht". 

Tipp

Wer Kinder, kleine Tiere oder sitzende Personen so filmen möchte, muss sich mit der Kamera auf gleiche Höhe begeben!

  • Die Goldene Filmregel #13: Wenn sich die Zuschauer mit dem Protagonisten identifizieren sollen, dann wählt die Kameraeinstellung "Nahe" – da lassen sich die Gesichtsausdrücke der Personen erkennen. 
  • Die Goldene Filmregel #14: Wenn ihr eine Distanz zum Protagonisten oder zum Gefilmten herstellen wollt oder ihr einen Überblick liefern möchtet, dann wählt die Kameraeinstellung "Totale" oder "Halbtotale". 
  • Die Goldene Filmregel #15: Wenn ihr Aufmerksamkeit auf eine Person oder einen Gegenstand lenken wollt, dann zeigt ihn in der Kameraeinstellung "Großaufnahme" oder "Detailaufnahme". 
  • Die Goldene Filmregel #16: Wenn ihr Personen in Beziehung zueinander oder zur Umgebung setzen wollt, dann eignet sich die Kameraeinstellung "Amerikanisch" gut – sie heißt so, weil Duellszenen im Western oft so gefilmt werden. 

Kamerabewegung und andere Effekte

Wie so oft im Leben ist auch hier der wichtigste Grundsatz: Weniger ist mehr! Klar, macht es Spaß, die Möglichkeiten einer Kamera auszuprobieren und auszureizen. Trotzdem ist Zurückhaltung hier die halbe Miete: Als Zuschauer ist man nämlich schnell genervt, wenn ständig die Kamera in Bewegung ist und das Auge gar nicht zur Ruhe kommen kann. Bei Kamerafahrten mit wildem Hin- und Herschwenken bleibt dann von der Geschichte, die ihr eigentlich erzählen wollt, garantiert nichts mehr hängen. 

Bei einer Kamerafahrt bewegt sich die Kamera von der Stelle und begleitet oder verfolgt dabei oft Personen oder Dinge, die selbst in Bewegung sind, etwa bei einer Verfolgungsjagd. 

Tipp

Um bei Kamerafahrten gleichmäßige Bewegungen zu erzeugen, setzen Profis einen Dolly ein. Ihr könnt aber auch die Kamera mitsamt Kameramann oder –frau in einen Einkaufswagen packen. Wichtig ist dabei ein gleichmäßiger Untergrund, damit der Einkaufswagen nicht ruckelt oder stecken bleibt. 

Eine andere Art der Bewegung ist der Kameraschwenk: Hier bleibt die Kamera auf der Stelle und ihr dreht sie um ihre eigene Achse. Mit dem Kameraschwenk könnt ihr gut eine räumliche Beziehung zwischen den gefilmten Dingen oder Personen herstellen. 

Beim Kamerazoom bewegt sich die Kamera überhaupt nicht – die Bewegung entsteht dadurch, dass ihr die Brennweite des Objektivs verändert. Mit dem Zoom könnt ihr Gegenstände oder Personen heranholen (Heranzoom) oder in den Hintergrund rücken (Aufzoom).

Die wichtigsten Regeln rund um Effekte mit der Kamera:

  • Die Goldene Filmregel #17: Setzt den Zoom selten ein! Als Überraschungseffekt beispielsweise: Startet mit einer Detailaufnahme eines Gegenstands und zoomt dann auf zu einer totalen Aufnahme, die den Gegenstand in einer ungewohnten Umgebung zeigt.
  • Die Goldene Filmregel #18: Um bei Kamerafahrten eine gleichmäßige Bewegung hinzubekommen, arbeitet mit genügend Vorlauf: Startet rechtzeitig mit der Bewegung und schaltet die Kamera nicht erst dann ein, wenn ihr das Gefilmte schon "im Kasten" haben wollt. Einen zu langen Anfang lässt sich rausschneiden, Ruckler an der entscheidenden Stelle nicht. 
  • Die Goldene Filmregel #19: Wenn ihr einen räumlichen Überblick über die Situation geben wollt, setzt einen langsamen Horizontalschwenk von links nach rechts (oder rechts nach links) ein. 
  • Die Goldene Filmregel #20: Größenverhältnisse kann man oft besonders gut mit einem Vertikalschwenk (von oben nach unten oder von unten nach oben) ausdrücken: Zum Beispiel, indem ihr eine Person vor einem Hochhaus filmt und dabei mit einer Naheinstellung der Person startet und dann langsam an dem Gebäude hoch bis zum Dach schwenkt.
  • Die Goldene Filmregel #21: Benutzt für einen Kameraschwenk möglichst ein Stativ, filmt gleichmäßig, ohne zu ruckeln und lasst das Anfangs- und das Endbild ca. 3 Sekunden stehen!
  • Die Goldene Filmregel #22: Ihr wollt den Eindruck erwecken, mitten drin im Geschehen zu sein? Dann benutzt eine Handkamera: Gerade durch die teilweise wackeligen Aufnahmen wirkt das Gefilmte echt und ungestellt (um beispielsweise eine Prügelei zu filmen). 

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