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Merchandising – Nicht nur an der Kinokasse wird Geld verdient!

Wenn Zauberstäbe wichtig werden

Da das Werbe-Budget eines Dokumentarfilms relativ klein ist, müssen sich Verleiher und Filmemacher immer wieder etwas einfallen lassen, um einen Film gut zu vermarkten oder zusätzliches Geld zu verdienen, das sie in die Werbung stecken können.

Verschiedene Merchandising-Artikel für den Harry-Potter-Film liegen ausgebreitet in einem Regal; Rechte: imago
Für Harry Potter gibt es viele verschiedene Merchandising-Artikel.

Große Spielfilme haben es da leicht: Sie verdienen viel Geld mit Merchandising. Harry Potters Brille, die Hogwarts Trinkflasche, Hermines Ohrringe, Zauberstäbe, Zaubersteine, Zauberbücher – im Online-Shop der Film-Firma Warner Brothers gibt es fast nichts zum Thema Harry Potter, was man nicht kaufen kann. Alle Produkte kommen irgendwie in einem Harry-Potter-Film vor oder sind mit Motiven aus der Zauber-Erfolgsgeschichte bemalt, beklebt, bedruckt. Ohne den Film würde es alle diese Sachen gar nicht geben. Und die Film-Firma verdient damit – zumindest im Fall Harry Potter – weitaus mehr als mit dem Verkauf der Kinokarten. Und das obwohl alle Potter-Filme in den Kinocharts weltweit ganz vorne mit dabei waren. Mit Merchandising kann man beim Film also jede Menge zusätzliches Geld verdienen.

Merchandising funktioniert nicht immer

Ob das beim Dokumentarfilm auch so ist? Fragt man Filmverleiher Holger Recktenwald nach Merchandising für seine Filme, muss er lachen. Welche Produkte könnte man sich beispielsweise für einen Film wie "Schattenzeit" über die Krankheit Depression vorstellen? Merchandising-Produkte zu diesem Thema wären wahrscheinlich ziemlich makaber oder bestenfalls provokant. Mit einem Augenzwinkern fragt er: "Wer würde schon gerne ein T-Shirt mit der Aufschrift 'Schattenzeit – Depri your Life' tragen?" Auch bei den meisten anderen Dokumentarfilmen könnte Merchandising ziemlich albern wirken. Denn meist geht es um Themen aus dem Alltag oder um ganz "normale" Menschen. Wie zum Beispiel in den dok you-Filmen, wo es unter anderem um einen Schüler geht, der viel lieber Hausmeister wäre ("Herr Rücker"), oder um Edna aus Bosnien ("Ednas Tag"), die versucht im deutschen Schulalltag zurechtzukommen. Die einzige Ausnahme beim Merchandising sind Musik-Dokumentarfilme. Hier lautet das Motto: Je bekannter ein Musiker, je besser das Merchandising – zum Beispiel mit T-Shirts, Baseball-Kappen oder Buttons.

Kooperationen & Sponsoren – Zusätzliche Werbung

Was bei Dokumentarfilmen aber gut funktioniert sind Kooperationen mit Firmen oder Verlagen. Bei Kooperationen unterstützt man sich in der Regel gegenseitig bei der Werbung für ein Produkt. So gab es, erzählt Filmverleiher Holger Recktenwald, für den Film "Der Weg nach Mekka" eine Kooperation mit einem Düsseldorfer Verlag, der gerade eine neue Version des Koran herausbrachte. Der Verlag bewarb mit seiner Buchwerbung auch den Film. Bei den Filmvorführungen wiederum gab es Stände, an denen die neue Koran-Version des Verlags vorgestellt wurde. So hatten beide Seiten etwas davon.

Institutionen wie die Bundeszentrale für politische Bildung geben zum Beispiel Filmhefte für Schulen heraus, in denen sie Filme für den Unterricht empfehlen. Sie machen so Filme unter Schülern und Lehrern bekannt, die ihnen geeignet erscheinen, Diskussionen über wichtige gesellschaftliche Themen anzuregen. Oder die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung finanziert Filmvorführungen in ganz Deutschland mit Filmen, die sich mit Gesundheitsgefahren auseinandersetzen. Die Filmvorführungen können von Schulklassen gebucht werden.

Manchmal werden Dokumentarfilme auch für Veranstaltungen oder Konferenzen angefragt, wenn sie thematisch dazu passen.


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