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Filmfinanzierung - Was kostet ein Film?

Ein teures Vergnügen

Eine Figur aus dem Film "Avatar"; Rechte: dpa
Die computeranimierten Hauptdarsteller in "Avatar" bekommen zwar kein Gehalt - teuer sind sie trotzdem.

Filmemachen ist sehr teuer. Je höher der technische Aufwand und je größer das Team ist, desto mehr Geld muss die Produktionsfirma beschaffen. Der Film "Avatar" hat mit seinen aufwendigen 3D-Animationen rund 237 Millionen US-Dollar verschlungen. Ein extremes Beispiel aus Hollywood, wo die teuersten Filme weltweit produziert werden.

Ein deutscher Kino-Spielfilm kostet meist zwischen einer und zehn Millionen Euro. Weil deutsche Filme viel weniger Zuschauer erreichen als die internationalen Blockbuster, sind die Budgets für diese Produktionen niedriger.

Ein Gruppenbild mit sechs Männern, drei tragen ein Radrenn-Trikot. Einer hält ein Schild mit der Aufschrift "Höllentour"; Rechte: Imago
Der Regisseur Pepe Danquart (Mitte) wirbt gemeinsam mit Anderen für seinen Film "Höllentour".

In der Regel sind Dokumentarfilme viel günstiger als Spielfilme. Die Kosten für deutsche Dokumentarfilme in Spielfilmlänge (also um die 90 Minuten) liegen meist zwischen 200.000 bis 400.000 Euro. Nur wenige "Ausreißer" sind teurer, wie der Film "Höllentour" von Pepe Danquart über die Tour de France, der rund zwei Millionen Euro kostete.

Es gibt auch "No-budget"-Produktionen, bei denen die Filmemacherin oder der Filmemacher mit der eigenen Kamera ohne viel Ausrüstung allein oder mit Freunden loszieht und den Film zu Hause am Rechner fertig stellt. "Low-budget"-Produktionen verfügen über ein Minimum an Geld für die nötigsten Ausgaben, doch in fast allen Fällen decken die Mittel nicht die wirklichen Kosten. Dokumentarfilmerinnen und -filmer arbeiten oft mit viel Idealismus und investieren viel mehr Arbeit in ihre Projekte als letztlich dafür bezahlt wird.

Einen Film, der im Kino oder Fernsehen gezeigt werden soll, zu produzieren dauert sehr lange. Zwischen der ersten Idee und der Ausstrahlung liegen viele Arbeitsschritte. Und jeder dieser Schritte kostet Zeit und Geld. Um die Kostenkalkulation und die Finanzierung kümmert sich die Produzentin oder der Produzent.

Lange vor dem Dreh geht's schon los

Beim Dokumentarfilm muss der Filmautor sein Thema inhaltlich gut recherchieren. Das nimmt oft viele Monate in Anspruch. Häufig werden auch die Drehorte vorab besichtigt und Interviewpartner besucht. Für die Vorbereitung können daher schon hohe Reisekosten anfallen und Filmemacher und Filmautoren erhalten für ihre Recherchen ein Honorar.

Ein gelbes Schild mit der Aufschrift: "Caution Film Crew"; Rechte: mauritius
Ob hier die Film-Crew wohl gefährlich ist?

Das Team ist bei einem Dokumentarfilm viel kleiner als beim Spielfilm. Die klassische Besetzung besteht aus drei Leuten: Regisseur oder Regisseurin sowie je eine Person für die Kamera und eine für den Ton. Sie alle erhalten ein Honorar pro Drehtag oder eine pauschale Gage für die kompletten Dreharbeiten. Manchmal braucht man noch zusätzlich Leute für eine weitere Kamera, für die Beleuchtung oder als Helfer bei der Organisation vor Ort.

Neben den Personalkosten fallen während des Drehs auch Kosten für Fahrten, Übernachtung und Verpflegung an.

Ein wesentlicher Kostenfaktor beim Dreh ist die Technik. Um einen professionellen Film herzustellen, braucht man ein Equipment, das um ein Vielfaches teurer ist als Kameras oder Aufnahmegeräte für den privaten Gebrauch. Die Anschaffungskosten sind so hoch, dass es oft sinnvoller ist, die Geräte auszuleihen: eine Kamera mit Zubehör wie verschiedene Objektive, Stativ und Kabel. Der Tonmann nutzt ein Aufnahmegerät, unterschiedliche Mikrofone, dazu Batterien, Mikrofonschutz und Angel. An manchen Tagen werden auch noch Lampen oder eine spezielle Kamera, z.B. für Unterwasseraufnahmen, gebraucht. So kommen einige Kisten zusammen, die jeden Tag an den Drehort transportiert werden müssen. All diese Geräte – und das Team – werden zudem versichert, falls etwas geklaut oder beschädigt wird.

Mit Hilfe des Drehplans wird deshalb versucht, die Anzahl der Drehtage möglichst gering zu halten. Bei Langzeitbeobachtungen oder aufwendigen Themen können es aber schnell sehr viele werden. Für jeden einzelnen Tag muss jede beteiligte Person und jedes Gerät bezahlt werden. Stellt sich heraus, dass der Dreh länger dauert also vorher kalkuliert, steigen die Kosten schnell in die Höhe – logisch.

Und nach dem Dreh geht's weiter

Gestapelte Filmrollen in einem Archiv; Rechte: Zentralbild
Auch auf älteren Filmrollen findet sich manchmal interessantes Archivmaterial für neue Filme.

Wenn der Film "im Kasten" – also alles gedreht – ist, ist er noch lange nicht fertig. Das Filmmaterial muss gesichtet und geschnitten werden. Das macht ein Cutter oder eine Cutterin an einem Schnittcomputer in einem Schnittstudio, das meistens für diese Zwecke angemietet wird. Je nach Materialfülle und Länge des Films dauert der Schnitt mehrere Wochen oder sogar Monate.

Wenn im Film Archivmaterial verwendet wird, also Ausschnitte aus anderen Filmen oder Fotos, müssen dafür Rechte gekauft und Lizenzgebühren bezahlt werden. Die Kosten variieren auch hier stark: Es kommt darauf an, woher das Material stammt und wo der Film später gezeigt werden wird. Ausschnitte aus Hollywood-Filmen sind sehr teuer, während private, nicht kommerzielle Archive ihre Aufnahmen manchmal sogar gratis zur Verfügung stellen.

Auch für die Musik müssen Rechte bezahlt werden – selbst dann, wenn die Protagonistinnen und Protagonisten im Film zu einem bestimmten Lied aus dem Radio tanzen. Gerade bei bekannten Songs kann das extrem teuer werden. Deswegen ist es manchmal sogar preiswerter, die Musik von einem Komponisten extra für den Film schreiben zu lassen. Immer häufiger werden für Dokumentarfilme auch Sounddesignerinnen oder Sounddesigner engagiert, die sich in der Nachbearbeitung um den optimalen Ton kümmern.

Der fertig geschnittene Film wird farbkorrigiert. Das ist manchmal notwendig, weil die Szenen ja unter unterschiedlichen Lichtbedingungen aufgenommen wurden und nun aneinander angeglichen werden müssen. Das übernimmt in der Regel ein Designer, genauso wie die Gestaltung des Vor- und Abspanns.

Nachdem der Film fertig geschnitten ist, wird der Ton in einem Tonstudio von Fachleuten gemischt. Bei vielen Dokumentarfilmen gibt es einen Off-Kommentar, der von einem professionellen Sprecher oder eine Sprecherin im Tonstudio aufgenommen wird. Auch er bekommt ein Honorar.

Und zuletzt wird der Film vom Rechner auf ein Band oder ein digitales Speichermedium ausgespielt, damit er im Fernsehen gezeigt werden kann. Filme, die im Kino laufen, werden meist noch auf Zelluloid gezeigt. Daher müssen auch noch Filmkopien für die Kinos hergestellt werden.


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