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Fernseh-Redaktion

Aus Ideen wird Programm

Wenn ein Filmemacher seine Idee ins Fernsehen bringen möchte, sucht er eine passende Redaktion bei einem Sender. Einfach ein Exposé an einen Sender, wie z.B. den "WDR Köln", zu schicken, bringt aber nichts. Besser ist, der Profi erkundigt sich, wer zuständig ist. Geschichtliche Themen gehören in die Geschichtsredaktion, Tier- und Medizinthemen eher in die Wissenschaftsredaktion. Und jede dieser Redaktionen verfügt über feste Sendeplätze, z.B. am Freitag-Abend 20.15 - 21.00 Uhr im WDR. Für diesen Sendeplatz suchen die Redakteurinnen und Redakteure nach passenden Inhalten, überlegen sich Schwerpunkte und planen schon Monate im Voraus, was wann genau im Programm laufen soll.

Ein Planungsboard mit Karteikärtchen; Rechte: WDR
Film-Ideen können ganz schön viel Arbeit machen!

Auf ihren Schreibtischen sammeln sich die Angebote und Exposés der Filmemacher, die ihrerseits versuchen ihre Ideen unter zu bringen. Im Idealfall passen die Vorstellungen beider Seiten zusammen. Wenn die Redaktion z.B. einen Schwerpunkt zum Thema Integration allgemein plant und ein Exposé für einen Film wie "Ednas Tag" oder "Herr Rücker" auf dem Schreibtisch hat, passt das gut. Erfahrene Filmemacher fragen daher manchmal vorher nach, welche Themen in Planung sind.

Wenn noch keine gute Ideen da sind, dann macht sich die Redaktion selbst Gedanken und/oder beauftragt Filmemacher oder Produzenten mit einer Recherche und der Entwicklung eines Exposés.

Die Redaktion behält die Fäden in der Hand

Bei Eigenproduktionen gibt die Redaktion den Auftrag an einen Filmemacher. Der Fernsehsender ist dann selbst an der Produktion beteiligt, er stellt das Kamerateam, den Schnittplatz und die Postproduktion. Die Redaktion hat die Fäden in der Hand. Der Filmemacher bekommt für seine Arbeit ein Honorar.

Abnehmen in der Redaktion? - Was heißt denn das?

Zwei Frauen und ein Mann mit Unterlagen an einem Tisch; Rechte: WDR
Im Team sind sie stark - Filmemacher und Redaktion.

Die Redaktion legt für ihre Programmplanung die inhaltlichen Schwerpunkte fest. Vielleicht hat die Redaktion auch ein besonderes Kennzeichen, das sie in allen ihren Filmen wieder finden möchte: eine besondere Kamerasprache, spezielle Interviewformen oder z.B. die Vorgabe, vor allem Jugendliche zu Wort kommen zu lassen.

Filmemacher und Redaktion verabreden sich, um jeden einzelnen Produktions-Schritt zu besprechen. Denn die Redaktion hat die Verantwortung für alles, was auf den Sender geht. Deshalb muss sie immer informiert sein und letztlich die Planung genehmigen. In der Filmsprache nennt man das "Abnehmen": ein Redakteur nimmt das Exposé, dann das Treatment und später den Schnitt und den Text ab. Das geht nicht immer reibungslos – denn die Vorstellungen von Redaktion und Filmemacher können ganz unterschiedlich sein. Da sitzt man oft zusammen, brütet über die Auswahl der besten Protagonisten, die Wahl der Drehorte und die richtige Dramaturgie, also wie eine Geschichte erzählt werden soll. Im besten Fall entsteht der Film als Teamwork und die Ideen ergänzen sich.

Kamerablick aus dem Hubschrauber; Rechte: WDR
Dreharbeiten mit dem Hubschrauber sind spektakulär, aber teuer.

Im Gespräch zwischen Redaktion und Filmemacher werden nach den inhaltlichen und dramaturgischen Vereinbarungen die Rahmenbedingungen geklärt: was hat die Redaktion inhaltlich gedacht, wann muss die Drehplanung vorliegen, wann der Film fertig sein und wie viel Geld steht zur Verfügung. Da muss der Filmemacher eventuell ein bisschen verhandeln: vielleicht hatte er Dreharbeiten im Ausland geplant oder einen spektakulären Hubschrauberflug – was sehr teuer ist. Aber das gibt das Budget nicht her, sagt die Redaktion. Übrig bleibt dann vielleicht der Auslandsdreh, ohne Flugaufnahmen.

Etwas anders ist die Rolle der Redaktion bei Aufträgen an Produktionsfirmen - auch dann spielen inhaltliche und finanzielle Rahmenbedingungen eine Rolle. Der Produzent stellt eine Kalkulation auf, die alle Kosten wie Honorare, Reisen oder Mieten für Geräte enthält. Er entscheidet selbst, wie er die fest vereinbarte Summe, die der Sender ihm für den Film zahlt, verteilt: wie viel Honorar für den Filmemacher drin ist und wie viele Tage gedreht werden darf.

Bei Kaufproduktionen sind Redakteurinnen und Redakteure am Entstehungsprozess des Films nur wenig beteiligt. Das kann so ablaufen, dass eine Redaktion z.B. auf einem Festival einen Film sieht, der gut in ihr Programm passen würde. Dann handelt sie mit Filmemacher oder Produzent des Films aus, zu welchen Bedingungen der Film im Fernsehen ausgestrahlt werden kann. Vielleicht muss er ja noch ein bisschen gekürzt werden, um auf den Sendeplatz zu passen. Oder es wird verhandelt, ob der Film nur einmal gesendet oder wiederholt wird. Nach diesen Absprachen zwischen Redaktion und Filmemachern wird ein Vertrag mit dem Sender abgeschlossen.

Vertrauen & Kontrolle - die Redaktion trägt Verantwortung

Zwei Frauen und ein Mann an einem Schreibtisch; Rechte: WDR
Diskussionen und Gespräche: Filmemacher und Redaktion müssen sich aufeinander verlassen können.

Verantwortung heißt für die Redaktion: Aufpassen, dass der Film z.B. bei einem öffentlich-rechtlichen Sender wie dem WDR den gesetzlichen Programmrichtlinien nicht widerspricht. Der Redakteur oder die Redakteurin muss z.B. darauf achten,  dass ein Film nicht zur Gewalt aufruft, dass keine Lügen in dem Film verbreitet werden, dass man sich nicht bösartig über Religionen und Weltanschauungen lustig macht. Aber es geht nicht immer um so große Themen bei den "Abnahmen". Manchmal ist es für den Filmemacher sehr hilfreich, wenn ein Redakteur bei der Abnahme sagt: "Also das habe ich gerade nicht verstanden." Denn er ist der erste Zuschauer im Schneideraum. Wenn man als Filmemacher zu  sehr in seinem Projekt steckt, geht einem schnell das Gespür dafür verloren, ob ein Außenstehender alles nachvollziehen kann. Und dann heißt es für den Filmemacher vielleicht "Umschneiden" oder "Text ändern", bis alle hinter dem Ergebnis stehen.

Es gehört viel Vertrauen zu dieser Zusammenarbeit. Der Redakteur, der ja selbst das Thema nicht so ausführlich recherchiert hat, muss sich darauf verlassen, dass der Filmemacher ordentlich gearbeitet hat. So z.B., dass Behauptungen, die im Film aufgestellt werden ("Das ist das umweltfreundlichste Auto mit dem niedrigsten Spritverbrauch!"), auch wirklich stimmen und der Filmemacher sich nicht hat bestechen lassen (z.B. eine bestimmte Automarke als umweltfreundlich zu empfehlen und dafür Geld zu bekommen). Der Redakteur prüft also auch die Angaben im Film.

Wenn es nach der Ausstrahlung Beschwerden und vielleicht sogar Klagen von Zuschauern gibt, landen die zuerst bei der Redaktion. Umgekehrt ist es für den Filmemacher wichtig, dass die Redaktion ihn unterstützt: vielleicht hat er ein besonders brisantes Thema und möchte einen Skandal aufdecken. Dann kann die Redaktion dafür sorgen, dass er juristisch beraten wird und keine Fehler macht.

Erst, wenn die Redaktion für den geschnittenen Film und den Text ihr Okay gegeben hat, wird der Film ganz fertig gestellt.


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